DDR-Rundfunkgelände : Großrazzia in mehreren Bundesländern

Im Zusammenhang mit der fragwürdigen Veräußerung des ehemaligen DDR-Rundfunkgeländes an der Nalepastraße haben Berliner Ermittler eine Großrazzia in mehreren Bundesländern durchgeführt.

Berlin - Beamte durchsuchten am Morgen Objekte auf dem Areal in Köpenick, wie eine Polizeisprecherin sagte. Nach Angaben von Ermittlern war ein weiterer Schwerpunkt der Aktion die Baumaschinenfirma Bau und Praktik in Jessen in Sachsen-Anhalt. Insgesamt seien 24 Objekte durchsucht worden. Daran beteiligten sich den Angaben zufolge 100 Beamte.

Gegen das Jessener Unternehmen richtet sich der Hauptverdacht in der Affäre. Begonnen hatte sie am 3. November 2005, als Sachsen-Anhalts landeseigene Liegenschaftsgesellschaft (Limsa) den Verkauf des Geländes für die neuen Länder und Berlin abwickelte. Das 13 Hektar große Rundfunkareal wurde für den außerordentlich günstigen Preis von 350.000 Euro an Bau und Praktik abgegeben.

Viele Ungereimtheiten nach Verkauf

Obwohl das Unternehmen am 1. Dezember 2005 das Grundstück in Besitz nahm und die Mieten kassierte, bezahlte die Limsa die Betriebskosten - wie Telefon, Versicherung, Strom, Wachdienst - noch monatelang weiter. Da die Jessener Firma diese Auslagen jedoch nicht zurückzahlte, klagt die öffentliche Hand derzeit rund 528.000 Euro von dem Unternehmen ein.

In diesem Zusammenhang steht offenbar auch die Razzia. Die Beteiligten hatten, so der Verdacht der Ermittler, von Beginn an die Absicht, das "Grundstück so schnell wie möglich weiterzuverkaufen und die Erlöse sofort umzuleiten". Die Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag wollten sie anscheinend nicht wahrnehmen. Gleichzeitig wird gegen Personen aus dem Umfeld von Bau und Praktik im Zusammenhang mit Leasing-Geschäften ermittelt. Sie sollen mit nicht-liquiden Firmen Fahrzeuge geleast und diese dann unter anderem nach Osteuropa verschoben haben. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar