DDR-Wachturm in Storkow : Auf Ebay unverkäuflich

Ein ehemaliger Grenzsoldat versucht seit zehn Jahren, einen Original-DDR-Wachturm zu verkaufen. Zwei Schwesterntürme stehen am Checkpoint Charlie und an der Bernauer Straße in Berlin. Nur der dritte findet einfach keinen Käufer.

Georg-Stefan Russew
Mauerstück zu verkaufen: 3000 Euro will Michael Altmann für seinen dritten DDR-Wachturm (wie hier an der Bernauer Straße in Berlin) haben.
Mauerstück zu verkaufen: 3000 Euro will Michael Altmann für seinen dritten DDR-Wachturm (wie hier an der Bernauer Straße in...Foto: dpa

Trotz Schnäppchenpreis bleibt es ein Ladenhüter: Seit zehn Jahren versucht ein ehemaliger Grenzsoldat, einen Original-DDR-Wachturm vom Typ „BT 9“ über Ebay zu verkaufen. Auch ein kurzzeitiger Preisnachlass zu Jahresbeginn von 3000 auf 1000 Euro brachte nicht den erhofften Durchbruch. Der 15-Meter-Riese steht weiter in einem Waldstück bei Storkow (Brandenburg) herum. Insgesamt drei DDR-Beton-Wachtürme hat Michael Altmann 2005 von der Treuhandgesellschaft gekauft – postiert auf einem ehemaligen Militärgelände nahe Storkow. Für zwei „BT 9“ fand der DDR-Souvenir-Händler schnell einen Käufer.

„Bundesweit gibt es nur noch sehr wenige Original-Mauerteile. Vieles ist im Freudentaumel nach der Wende verschwunden“, berichtet die Leiterin des Mauermuseums am Checkpoint Charlie, Alexandra Hildebrandt. Deshalb hat ihr Haus auch einen Grenzturm gekauft, abgebaut und zum Checkpoint nach Berlin geschafft. Dort vermittelt er im Ensemble mit anderen Originalteilen einen Eindruck, wie die Mauer einmal ausgesehen haben könntet. Auch die Mauergedenkstätte hat von Altmann einen Turm gekauft und ihn 2009 in der Bernauer Straße aufgestellt.

Konflikt in der Bernauer Straße
Die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße: Hier trennte die Mauer die Stadtteile Mitte und Wedding.Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: Jana Demnitz
01.02.2011 16:00Die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße: Hier trennte die Mauer die Stadtteile Mitte und Wedding.

Das ist sechs Jahre her. Den letzten Turm jedoch wird Altmann nicht los. Auch ein Winterschlussverkauf zu Jahresbeginn brachte kein Erfolg. „Ich hatte den Turm für 1000 anstatt 3000 Euro eingestellt“, sagt der 47-Jährige. Daraufhin habe sein Telefon nicht mehr stillgestanden. Allerdings hatten alle auf einem kostenlosen Versand bestanden. Doch das sei ein Missverständnis gewesen.

„Wer den Turm kauft, muss ihn auch auf eigene Kosten abbauen und abtransportieren.“ Da kämen locker 5000 Euro zusammen. Denn der 15 Meter hohe kantige „BT 9“ bringt 45 Tonnen auf die Waage und muss aus einem hügligen Dickicht geholt werden.

So sah der Mauerstreifen aus
Beengend, der Familienausflug mit dem Fahrrad im Jahr 1981. Bis zur Panzersperre führte der Ausflug, im Hintergrund sind die Hochhäuser der Leipziger Straße im Osten der Stadt zu erkennen. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos des Berliner Mauerstreifens an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 183Foto: Sommer/Imago
07.06.2017 13:58Beengend, der Familienausflug mit dem Fahrrad im Jahr 1981. Bis zur Panzersperre führte der Ausflug, im Hintergrund sind die...

Nun bietet der Ex-Grenzsoldat den Turm wieder für 3000 Euro an. In Köpenick betreibt Altmann auf 1000 Quadratmetern ein bizarres Lager für DDR-Devotionalien mit Uniformen, Mützen und Panzerhauben. „Dafür ist der Turm die beste Werbung“, sagt er. Auch wenn er ihn nicht los wird.

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