Berlin : Dealer im Bahnhof: Polizei widerspricht BVG-Kritik

Zahl der Einsätze erhöht – doch Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe fühlen sich auf der U9 nicht sicher

Klaus Kurpjuweit

Nach der internen Kritik aus der BVG am Auflösen der gemeinsamen Streifen mit der Polizei in den U-Bahnhöfen und Zügen kontert jetzt die Behörde. Das „den aktuellen Erfordernissen angepasste neue Einsatzkonzept“ habe den polizeilichen Kontrolldruck „spürbar erhöht“, teilte die Polizei jetzt mit. Die Polizei habe sogar ihre Präsenz flächendeckend mit gezielten Einsätzen auf alle Bereiche der BVG ausgedehnt. BVG-Mitarbeiter weisen dagegen, wie berichtet, darauf hin, dass seit dem Wegfall der gemeinsamen Streifen unter anderem der Drogenhandel in Bahnhöfen, besonders auf der U9 zwischen den Stationen Osloer Straße und Hansaplatz, stark zugenommen habe. Zudem würden Fahrgäste und Mitarbeiter jetzt verstärkt angepöbelt oder sogar bedroht. So weigerten sich Mitarbeiter bereits, auf den U-Bahnhof Westhafen zu gehen, der fest in der Hand von minderjährigen Drogenhändlern ist.

Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte das „Einsatzkommando BVG“ Anfang Juli aufgelöst, bei dem jeweils BVG-Mitarbeiter und ein Polizist gemeinsam unterwegs waren. „Vor der Uniform der Polizei hatten die Drogenhändler Respekt“, sagen BVG-Experten. Zur Zeit der gemeinsamen Streifen hätten sich die Dealer deshalb auf ihren Handel beschränkt; Aggressionen gebenüber Fahrgästen und dem BVG-Personal habe es nur selten gegeben. Dies habe sich geändert, seit die BVG-Mitarbeiter alleine unterwegs sind. Deren Zahl wurde zudem nicht erhöht.

Das neue Konzept der Polizei sieht vor allem „zielgerichtete“ Schwerpunkteinsätze vor. 468 habe es seit Juli gegeben – mit 2197 Einsatzstunden. Das seien im Durchschnitt zwölf Stunden täglich. Dabei seien 741 Strafverfahren eingeleitet worden. Allein auf der U9 habe es 288 Schwerpunkteinsätze gegeben. Derzeit seien im Bereich der U9 täglich Beamte in Zivil unterwegs. Im Dezember hätten sie 126 Personen überprüft, 81 Platzverweise ausgesprochen und 15 Strafanzeigen erstattet; darunter vier wegen Rauschgiftvergehens. Eine zentrale Ansprechstelle solle die Aktionen aller Direktionen koordinieren.

Die BVG hat unterdessen an den Abfertigungshäuschen verspiegelte Folien angebracht. So lässt sich der Bahnsteig überwachen, ohne dass dies sofort auffällt. Erste Erfolge habe es bereits gegeben, heißt es. Eine flächendeckende Kamerakontrolle gibt es nicht.

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