Berlin : Dear Passengers

Englisch in Bus und Bahn: BVG gibt ein Sprachlehrbuch für Mitarbeiter heraus

Nadine Fabian

Do you speak English? Eine simple Frage – und die Berliner Schnauze verstummt. Englisch? Nee, nee. Dabei ist Berlin nach London und Paris des Touristen drittliebstes Ziel in Europa. Sechs Millionen Ankünfte und 13 Millionen Übernachtungen zählte die Stadt im vergangenen Jahr. Und 2006 wird es noch voller. Zur Fußball-Weltmeisterschaft erwartet Berlin nicht nur sechs Spiele inklusive Finale, sondern auch einen Besucherrekord.

Die Berliner Verkehrsbetriebe zielen nun mitten ins Sprachzentrum ihrer Mitarbeiter. Die BVG-Verkehrsakademie hat das bevorstehende Sportereignis zum Anlass genommen, ein Lehrbuch für Busfahrer und Kundenberater zu erarbeiten. „Englisch in Bus und Bahn“ listet in Englisch und Deutsch variantenreich mögliche Fragen der Fahrgäste und passende Antworten auf. Schlüsselwörter, Zahlen und Zeitangaben können die Benutzer bequem im Anhang nachschlagen.

Ein Jahr hat die Arbeit an der mehr als 80 Seiten umfassenden Broschüre gedauert. Um möglichst allen typischen Situationen der Fahrgastbeförderung gerecht zu werden, wurden Busfahrer, Kundenberater und Bahnhofsmanager um Mithilfe gebeten. Die so gesammelten Redewendungen haben Muttersprachler übersetzt. Auch eine CD mit Hörbeispielen wurde aufgenommen.

7000 Exemplare „Englisch in Bus und Bahn“ sind unter den Mitarbeitern von BVG und der Tochter Berlin-Transport kostenlos verteilt worden. „Ein Selbststudium verlangt Zeit und Disziplin“, sagt Hans Schimmelpfennig, Leiter der Verkehrsakademie. „Wer aber seine Englischkenntnisse auffrischen will, hat eine praktische Hilfe.“ Problematisch sei jedoch, dass rund die Hälfte der Mitarbeiter in der Schule nicht Englisch, sondern Russisch als erste Fremdsprache gelernt und der typische BVGler die Schulbank vor mehr als drei Jahrzehnten verlassen hat: Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 48 Jahren.

„Wir können nicht alle Busfahrer in Seminaren intensiv schulen“, sagt Schimmelpfennig. Beim Vokabelpauken sollen ab März aber Abiturienten helfen. Die Verkehrsakademie und das Reinickendorfer Scharfenberg-Gymnasium bereiten eine Lernpatenschaft vor.

Die Akademie hat ihre Fibel in der Verkehrsbranche deutschlandweit zum Verkauf angeboten. Unter den WM-Gastgebern haben bisher aber nur Hamburg und Frankfurt am Main Interesse gezeigt. „Das Projekt reicht weit über die Fußball-WM hinaus“, sagt Schimmelpfennig. Gut 100 Verkehrsbetriebe haben das Buch bestellt, darunter jene aus Weimar, Bergen auf Rügen, Chemnitz und Greifswald. Verhandlungen mit der Bahn laufen. Eine Lehrbuchlieferung ging nach Innsbruck. Auch die Baseler Verkehrsbetriebe haben 600 Exemplare geordert und darum gebeten, das Berliner Handbuch als Grundlage für eine französische Variante nutzen zu dürfen.

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