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Debatte über Zugezogene : Wie Kreuzberger früher über Schwaben lästerten

03.01.2013 00:00 Uhrvon und
"Schwabenecken" liegen in der Auslage einer schwäbischen Bäckerei in Prenzlauer Berg. Foto: dpaBild vergrößern
"Schwabenecken" liegen in der Auslage einer schwäbischen Bäckerei in Prenzlauer Berg. - Foto: dpa

Warum niemand Zuzügler mehr hasst als alte Zuzügler - und wie Kreuzberger früher über Schwaben lästerten: Zur aktuellen Debatte über Äußerungen von Wolfgang Thierse schildern zwei Tagesspiegel-Redakteure persönliche Erlebnisse.

Das Schwabenlästern gab es in Berlin schon, als zu DDR-Zeiten Prenzlauer Berg und Friedrichshain noch garantiert schwabenfrei waren. Als im alten West-Berlin vor mehr als einem viertel Jahrhundert in Kreuzberg die Mai-Randale so richtig ausuferten, wurde das nicht nur am Stammtisch darauf zurückgeführt, dass Kreuzberg für Schwaben mit schwerem Kehrwochentrauma ein beliebter Fluchtpunkt war. Im wilden Kreuzberg konnten sie ausleben und austoben, was in der geordneten Heimat wohl nicht möglich war. Dass manche jungen Zuzügler aus dem Ländle die spießigen Rituale der alten Heimat als Autonome im schwarzen Block zu überwinden versuchten, galt als Allgemeinplatz.

Dass dabei ein bisschen Spießertum mit anderer Ausprägung konserviert wurde, zeigte sich den preußischen Beobachtern auch in der alljährlich pünktlich zum 1. Mai wiederkehrenden Randale. Ob es ums Dreck machen oder Dreck wegmachen ging, schien egal.

Hauptsache, es findet alles pünktlich und wie gewohnt statt. Vielleicht hat diese Wahrnehmung den Kreuzberger Schwaben damals aber auch nur geholfen. Als Gentrifizierer galten sie jedenfalls nicht. Ob die im Ländle geborenen Veteranen jener wilden Zeiten beim Bäcker inzwischen nach Schrippen verlangen? Elisabeth Binder

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