Debatte um Massenunterkunft : Flüchtlinge sollten Tempelhof mitgestalten

Tempelhof war schon einmal Symbol der Solidarität - das muss wieder so werden. Doch das geht nur, wenn die Flüchtlinge ihren Alltag aktiv selbst gestalten können.

Kilian Kleinschmidt
Die Massenunterkunft Tempelhof kann nur gelingen, wenn die Flüchtlinge ihren Alltag aktiv mitgestalten dürfen und Berliner kennen lernen.
Die Massenunterkunft Tempelhof kann nur gelingen, wenn die Flüchtlinge ihren Alltag aktiv mitgestalten dürfen und Berliner kennen...Foto: dpa

Tempelhof ist für mich immer das Symbol der Solidarität gewesen. Der mythische Ort, über den die Luftbrücke nach Berlin abgewickelt wurde. Bilder, die mich als Kind beeindruckten, obwohl es vor meiner Zeit als zugezogener Wessi in den Siebzigern war. Rosinenbomber auf dem Rollfeld war das Bild, das mich beeindruckte – und das war nur wenige Jahre vor meiner Geburt. Für mich wurde der Flughafen auch zum Symbol von Reise und Freiheit, denn mit der Pan Am flog man damals hinaus. Als UM – als unbegleiteter Minderjähriger – flog ich fast zehn Jahre lang in die Ferien zu meinem Vater, von einer Stewardess durch den offenen Hangar zum Flugzeug geführt.

Tempelhof als Symbol des Willkommens

Tempelhof wird nun zum Symbol des Willkommens, zu einem Symbol dafür, dass die Welt nicht nur zuschauen kann, wenn sich andere zerfleischen, dass auch wir, selbst wenn es nicht einfach ist, zurückgeben, was man uns gegeben hat. Dass wir begriffen haben, dass auch wir verantwortlich sind für eine immer noch sehr ungerechte und ungleiche Welt – von der wir profitieren. Das riesige Gelände mit viel Geschichte wird zu einem Ort der Hoffnung und einer Brücke zwischen der armen und geschundenen Welt und unserer bis vor Kurzem sehr unbesorgten und wohlhabenden Gesellschaft. Den vollständigen Artikel lesen Sie auf unserem Debattenportal Tagesspiegel Causa.

Kilian Kleinschmidt (53) arbeitete 22 Jahre für das UN-Flüchtlingshilfswerk. Nun betreibt er die gemeinnützige Organisation IPA, die Menschen in Krisengebieten hilft.
Kilian Kleinschmidt (53) arbeitete 22 Jahre für das UN-Flüchtlingshilfswerk. Nun betreibt er die gemeinnützige Organisation IPA,...privat

Kilian Kleinschmidt ist Gründer und Vorsitzender der Wiener Innovation and Planning Agency (IPA), die Menschen in Krisenregionen unterstützt. Außerdem berät Kleinschmidt die österreichische Bundesregierung in Flüchtlingsfragen. Zuvor arbeitete er 22 Jahre für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), zuletzt als Leiter des Flüchtlingslagers Zaatari an der syrisch-jordanischen Grenze.

Auf Tagesspiegel Causa finden Sie auch weitere Beiträge zu der Debatte "Flüchtlingslager Tempelhof: Droht Berlin ein Ghetto?" Nach und nach entsteht eine Infografik zu diesem Thema, indem weitere Autoren sich beteiligen und untereinander ihre zentralen Argumente bewerten.

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