Berlin : Debatte um Religionsunterricht: CDU lehnt Pflichtfach Ethik / Philosophie ab

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Die CDU hat erwartungsgemäß ablehnend auf den SPD-Parteitagsbeschluss reagiert, das Unterrichtsfach Ethik/Philosophie ohne Berücksichtigung der Religionen verbindlich einzuführen. Es müsse eine konfessionsgebunde Alternative geben, bei der die Kirchen in authentischer Weise ihren Glauben vermitteln könnten, hieß es gestern. Eine "Ersatzvornahme" durch den Staat widerspreche dem grundgesetzlichen Gebot der staatlichen Neutralität. Ihr Landesvorstand forderte die CDU-Fraktion deshalb auf, sich im Abgeordnetenhaus für die Einführung eines Wahlpflichtfachs Religion-Ethik / Philosophie einzusetzen. Die Pläne der SPD brächten die "teuerste aber auch die schlechteste Lösung".

Zurzeit gibt das Land etwa 100 Millionen Mark für die Finanzierung der freiwilligen Unterrichtsangebote der Kirchen und des Humanistischen Verbandes aus. Möglicherweise erhält auch die Islamische Föderation zum neuen Schuljahr die Erlaubnis, mit staatlicher Förderung ihren Unterricht an enigen Schulen abzuhalten. Die CDU nun geht davon aus, dass diese Ausgaben konstant blieben und hinzu noch die Ausgaben für das neue Pflichtfach Ethik / Philosophie kämen.

Damit ist allerdings nicht zu rechnen. Schul-Fachleute meinen stattdessen, dass die Nachfrage insbesondere nach Humanistischer Lebenskunde, aber auch nach evangelischer und katholischer Religion zurückginge, wenn die Kinder ohnehin an einem Pflichtfach in diesem Bereich teilnehmen müssten. Viele Schüler besuchen nämlich diese Angebote nicht deshalb, weil sie sich zu der jeweiligen Weltanschauung hingezogen fühlen, sondern um überhaupt an irgendeiner Art von Wertevermittlung teilzunehmen. Es ist auch kein Geheimnis, dass viele Familien ihre Kinder in den Lebenskunde-Unterricht schicken, weil sie diesen mit einer Art neutralem Ethik-Unterricht verwechseln.

Dies allerdings bestreitet der Humanistische Verband vehement. Er befürchte keinen Rückgang bei der Teilnehmerzahl, betonte sein Landesvorsitzender Bruno Osuch am Rande des SPD-Parteitags.

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