Berlin : Debüt der schwulen Diplomaten

Michael Fuchs organisierte erstmals einen Umzugswagen für das Auswärtige Amt

Nana Heymann

Als der Wecker Sonnabend um 6 .45 Uhr klingelte war Michael Fuchs schon zwei Stunden wach. Die Nervosität hatte ihn aus dem Bett getrieben. Denn der Sonnabend sollte sein großer Tag werden: Zum 27. Christopher Street Day (CSD) hat er die erstmalige Teilnahme von Rainbow, dem Arbeitskreis von Schwulen und Lesben im Auswärtigen Amt, organisiert.

Der Arbeitskreis besteht seit 1994 – und dass er jetzt beim CSD mitmachte, lag an Michael Fuchs. Er hat das Vorhaben in Angriff genommen. „So wie jeder Kölner davon träumt, einmal Karnevalsprinz zu sein, habe ich schon immer von meinem eigenen CSD-Wagen geträumt.“

Die Verwirklichung dieses Traums hat ihm in den vergangenen Monaten viel Arbeit bereitet: Ein halbes Jahr lang war der 29-Jährige mit den Vorbereitungen zum großen Umzug beschäftigt, ein Team von fünf Mitarbeitern half ihm dabei. „So ein tolles Projekt habe ich mit meinen Amtskollegen noch nie gemacht“, sagt Fuchs. Nach der Arbeit im Parlamentsreferat sprach er mit Sponsoren, organisierte einen Wagen, entwarf die Dekoration, sorgte für Musik und Catering. „Wir packen gerne aus“, hieß ihr Motto.

„Das alles war eine ganz andere Form von Stress“, meint Fuchs. Der hat ihn auch gestern auf Trab gehalten. Während sich andere CSD-Teilnehmer bereits schrille Kostüme überwarfen und ihre Gesichter unter einer dicken Schminkschicht versteckten, machte sich der gebürtige Kölner auf den Weg nach Lichtenberg, um dort die letzten Vorkehrungen am Wagen zu treffen: An dem Gefährt musste noch eine Verkleidung angebracht werden, zudem waren Luftballons aufzublasen, Flaggen, Wimpel, Plüschtiere und Girlanden zu befestigen. Und dann stand da auch noch die Sicherheitsinspektion der Dekra bevor. „Davor hab ich ziemlich gezittert.“

Zu beanstanden hatten die Inspekteure jedoch nichts, und deshalb konnte sich Fuchs vor der Abfahrt vom Kurfürstendamm in Richtung Siegessäule kurz vor 13 Uhr ein Glas Sekt genehmigen. Er stieß mit seinem langjährigen Lebensgefährten Andreas an, der sich mit einem gerüschten Überwurf als spanische Flamencotänzerin verkleidet hatte – inklusive stilechtem Fächer, um den ihn bis zu Beginn der Regenschauer viele beneideten.

Den CSD hat Michael Fuchs in den Jahren zuvor nur als Zuschauer vom Straßenrand miterlebt. Nun auf dem bunten Wagen mit der Startnummer 26 mitzufahren, von der Menge bejubelt zu werden, sei ein berauschendes Gefühl. „Allein schon dafür hat sich die monatelange Arbeit gelohnt“, sagt er und wirft einen ungläubigen Blick auf die Massen. Währenddessen fordert Gitte über die Musikanlage des Wagens einen Cowboy zum Mann und verführt die Amtskollegen von Fuchs zu einer spontanen Polonäse.

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