Berlin : Deftig

Bernd Matthies

Der deutsche Polizist, wir wissen das aus zahllosen Fernsehkrimis, ist mit Gourmet-Menüs nicht zu locken. Er braucht es deftig, er braucht es schnell, und wenn am Stichkanal die Currywurst lockt, dann lässt er die Ermittlungen allemal ein wenig schleifen, wird womöglich sogar inspiriert durch die erleuchteten Ausführungen des Wirts.

Doch dafür ist keine Zeit, wenn Weltmeisterschaft herrscht. Der Großsponsor McDonald’s hatte nun die Idee, allen Polizisten im WM-Einsatz über ihre Gewerkschaft Gutscheine für Kaffee oder Cola zukommen zu lassen – ein nicht ganz uneigennütziges Geschenk, bedenkt man nur, dass der gestresste Polizeiobermeister, einmal am Tresen, zweifellos auch gleich einen McIrgendwas spachteln wird und auch voll bezahlt.

Aber darf er den Gutschein überhaupt einlösen? Innenminister Schäuble hat es verboten. Keine Annahme von Geschenken! Das ist so fundamentalistisch, dass die Berliner Polizei abwinkt: Aus unserer Sicht, sagt sie, ist das keine Vorteilsnahme. Gehen also jetzt ein Bundes- und ein Landespolizist zu McDonald’s, dann kann der Landespolizist gleich zwei Kaffee trinken, sofern wenn der Kollege ihm seinen Gutschein schenkt. Spendiert er umgekehrt dem Bundesmann den Hamburger, ist das komplizierte System allerdings ausgehebelt. Was dann, Herr Innenminister?

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