Berlin : Degen bringt Segen: Die Musketiere kommen

Das romantische Fecht-Drama von Alexandre Dumas kommt auf die Bühne – mit Musik von den Hitschreibern von Falco und Status Quo

Björn Seeling

Sie haben Riesenhits wie „Rock me Amadeus“ und „Jeannie“ für Sänger Falco geschrieben. Ihr „In the Army now“ war ein Jungbrunnen für die Altrocker von Status Quo: Rob und Ferdi Bolland gehören zu dem erfolgreichsten Musikproduzenten Europas. Derzeit arbeiten die beiden Brüder aus Holland für Berlin, genauer: für das Theater des Westens. Hier feiert am 3. April kommenden Jahres das Musical „3 Musketiere“ Premiere, für das die Brüder die Musik geliefert haben. Vorlage ist natürlich der Romanklassiker von Alexandre Dumas.

Das Stück startet als deutsche Erstaufführung und löst das Revolutions-Epos „Les Miserables“ ab, das rund ein Jahr im Theater des Westen zu sehen war. Fast genauso lange fochten sich die „3 Musketiere“ bereits durch Rotterdam. Hier wurde das Stück bereits seit März 2003 gezeigt. Für Berlin wird derzeit an einer hieb- und stichfesten deutschen Inszenierung gearbeitet. Deshalb mussten sich die Gebrüder Bolland auch noch einmal hinsetzen und ihre Musik überarbeiten. „Wir haben uns sechs neue Lieder einfallen lassen“, sagt der 49-jährige Ferdi Bolland, der wie sein ein Jahr jüngeren Brüder hofft, dass es eine Melodie aus dem Musical in die Hitparade schafft. In ihrer Heimat reichte es sogar für den Platz eins in den Charts.

Auf Erfolg muss auch die Stage Holding bauen. Das ist der holländisch-deutsche Unterhaltungskonzern, zu dem das Theater des Westen gehört wie auch die Bühne am Potsdamer Platz, wo gerade die Zeit der „Blue Man Group“ verlängert wurde. Zehn Millionen Euro steckt das Unternehmen in die Mantel- und Degen-Produktion, die damit vier Millionen Euro teurer sein wird als die Vorgängerin von „Les Miserables“. In Holland seien die Vorstellungen zu 94 Prozent ausverkauft gewesen, sagt Joop van den Ende, der Eigentümer und oberste Stage-Holding-Boss. Es sei gelungen, nicht nur das traditionelle Musical-Publikum ins Theater zu locken, sondern auch ganz junge Zuschauer. Maik Klokow, der Chef der Deutschland-Dependance, sieht den Grund dafür in der Musketier-Story: „Einer für alle – alle für einen, gemeinsam lässt sich etwas bewegen, das ist ein positiver Grundgedanke.“ Und positive Stimmung wolle man mit dem Stück vermitteln.

Eher um Einzelkämpfer geht da im richtigen Leben am Theater des Westens: Dort läuft seit Montag die Endauswahl für die Darsteller. 45 Charaktere, davon zwölf tragende Gesangs- und Schauspielrollen, gibt es in dem Stück. 1500 Künstler hatten sich darum beworben, 800 wurden zum Vorsprechen an verschiedenen Orten in Deutschland eingeladen, 108 schwitzen nun vor der Jury, in der auch die Bolland-Brüder und die Stage- Holding-Chefs sitzen. Heute Abend soll dann feststehen, wer als D’Artagnan, Athos, Porthos und Aramis, schöne Constance und intrigante Mylady de Winter und böser Kardinal Richelieu um die Herzen der Zuschauer kämpft.

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