Berlin : Dem Aquarium das Wasser reichen

Im Dezember öffnet die neue Unterwasserlandschaft des Dom-Aquaree. Der Zoo hat davor keine Angst

Heidemarie Mazuhn

Die Haie in Mitte könnten künftig ihren Artgenossen in der City das Wasser abgraben. Anfang Dezember wird das Dom-Aquaree an der Spree eröffnet. Vom Seepferdchen bis zum Hai tummelt sich dann allerlei Seegetier im neuen City-Quartier gegenüber dem Berliner Dom – im Sea-Life-Center und in einer riesigen acrylverglasten Wassersäule, durch die der Besucher mit einem Aufzug gleiten kann – sozusagen wie ein Fisch im Wasser.

Doch Jürgen Lange, Direktor des 159 Jahre alten Berliner Zoos, bekommt keine kalten Füße, wenn er an die Konkurrenz in Mitte denkt. Die Zugkraft der etwa fünfminütigen Sightseeing-Tour durch das Zylinderbecken im Dom-Aquaree beurteilt der promovierte Biologe ganz pragmatisch: „Das ist ein Appetizer – es macht den Besuchern dort Appetit auf mehr – auf unser gutes, altes und traditionsreiches Zoo-Aquarium.“

90 Jahre alt ist das Zuhause von mehr als 8000 Fischen, Reptilien und Amphibien an der Budapester Straße. Zur Eröffnung vor 90 Jahren war es eines der größten seiner Art und in den zwanziger Jahren das bedeutendste Schauaquarium der Welt. Anziehend ist es noch immer. Jährlich strömen mehr als eine Million Besucher durch die drei Etagen. 2013 feiert das Zoo-Aquarium sein 100-jähriges Jubiläum – und bis dahin soll es wieder mit den attraktivsten der Welt Schritt halten können. Wenn das Geldproblem gelöst wird. 25 Millionen Euro trennen Lange von der Verwirklichung seines Traumes, dem seit ewigen Zeiten geplanten Anbau des Aquariums. Dabei ist der Traum schon ziemlich konkret. Das Wohnhaus der bisherigen Zoo-Direktoren gegenüber dem Löwenfelsen ist dafür reserviert – der jetzige Chef zog gar nicht erst ein. Lange wohnt seit 1980 überm Haifischbecken des Aquariums. „Das Haus bleibt leer, es könnte ja sein, wir bekommen plötzlich von irgendwoher Geld und können anfangen“, sagt der Zoo-Direktor mit Blick auf die Klassenlotterie und andere möglichen Geldquellen.

Im Dreieck zwischen Elefantentor, Löwenfelsen und Aquarium soll ein Multifunktionshaus mit einem Großbecken für 5300 Kubikmeter Wasser entstehen. Zum Vergleich: Das Zylinderbecken im Dom-Aquaree fasst 1000 Kubikmeter. 8,50 Meter hoch und 18 Meter breit soll die Glasscheibe sein, durch die man von zwei Etagen aus zu den Fischen blicken kann. Im Erdgeschoss ist ein Fischrestaurant mit Straßenzugang geplant – bis 24 Uhr soll es täglich geöffnet haben. Auch eine Bar ist vorgesehen.

In seiner Phantasie sieht der Zoo-Direktor den Anbau schon vor sich, der „sein“ Aquarium ins neue Jahrtausend bringen soll. Wie man solche Träume technisch verwirklicht, hat Lange als Berater für Großaquarien bewiesen. Auch das Dom-Aquaree hat von seinem Know-how profitiert. „Wenn ich das nicht übernommen hätte, wäre das Projekt trotzdem gekommen – aber vielleicht mit Fehlern auf Kosten der Tiere.“

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