Berlin : Dem Fußball-Volke Langer Ball vom Brandenburger Tor zur Alten Oper

Idee für Fans: Ein Nationalfeld mit Rasen aus verschiedenen Stadien An diesem Wochenende ist der Globus noch auf dem Pariser Platz zu besichtigen. Dann rollt er nach Frankfurt. Für Berlin gibt es aber schon viele neue Pläne und Ideen

André Görke

Joachim Zeller hofft auf einen „schlechten Scherz“, und Dorothee Dubrau hält das Projekt „für keine gute Idee“. Das sind die ersten Reaktionen des Bürgermeisters und der Baustadträtin des Bezirks Mitte auf eine ganz spezielle Idee: ein Fußballplatz direkt vor dem Reichstag. Das Projekt heißt: „Nationalfeld“ – und es erinnert an das „Der Bevölkerung“ gewidmete Kunstwerk im Reichstag, für das Erde aus deutschen Wahlkreisen zusammengeschüttet wurde. Auf dem Nationalfeld sollen 6000 Rasenabschnitte zu einem Spielfeld zusammengelegt werden, die zuvor in den Stadien und auf Fußballplätzen aus ganz Deutschland entnommen wurden. Der Kostenvoranschlag liegt bei 2,5 Millionen Euro.

Hier planen Fans ihre eigene WM-Offensive. „Ganz normale Leute“ steckten hinter der Idee, sagt Marc Friedrich, Sprecher des „Nationalfeldes“. Sportstudenten, Architekten, Computerfachleute. „Es ist nur eine Idee.“ Eine Idee für Fans. „Wir warten ab, wie die Reaktion aussehen.“

Auf Bezirksebene ist das Interesse gering. Schließlich gab es im Sommer einen wochenlangen Streit mit Freizeitfußballern vor dem Reichstag, die am Ende nur mit Hilfe der Polizei und Androhung von Bußgeldern vertrieben wurden. Das Nationalfeld soll einen anderen Charakter erhalten. All die Rasenstücke würden ein schönes Symbol darstellen – für ein vereintes Deutschland. Bundespräsident Johannes Rau hat geschrieben und der Initiative Mut gemacht. Raus Sprecher Klaus Schrotthofer sagt aber: „Er kann das Projekt aber nicht mit seinem Namen unterstützen.“

Die Resonanz bei Fußballfreunden sei groß, sagt Friedrich. Die ersten Vereine hätten sich wegen der Rasenspenden gemeldet. Erst war es der SC Bocholt, dann die Stadt Bad Nauheim, die sich für die WM als Trainingslager für Nationalmannschaften beworben hat. Einen Eröffnungstermin hat sich die Initiative auch schon ausgedacht: Zeitgleich mit der Europameisterschaft 2004 in Portugal. Auf dem Nationalfeld könnten Turniere ausgetragen und Spiele übertragen werden. Finanziert werden könnte das Projekt durch Sponsoren des Fußball-Weltverbandes Fifa. Einer habe bereits Interesse signalisiert – will aber noch nicht genannt werden. AG

Mehr Infos im Netz unter:

www.nationalfeld.de

Zwei Tage noch, ein Wochenende – dann verschwindet der Ball vom Tor. Sonntagabend, 22 Uhr, endet die letzte Veranstaltung im WM-Globus auf dem Pariser Platz. Ab Montag wird der Ball auseinander geschraubt, auf Lastwagen verladen – und in Frankfurt (Main) aufgebaut. Ab 2. Dezember wird das Werk des Künstlers André Heller dort vor der Alten Oper stehen – pünktlich zur Auslosung der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 am 5. Dezember.

„Es war eine aufregende und beglückende Zeit in Berlin“, sagt Künstler André Heller. In den vergangenen sieben Wochen kamen mehr als 100000 Besucher in den Globus, in Spitzenzeiten wurden 300 Menschen pro Stunde durch den WM-Ball geschleust. Bundesinnenminister Otto Schily sprach von einem „phantastischen Auftakt“. Auch das kulturelle Abendprogramm sei gut angekommen, „das freut mich besonders“, sagte Schily. Die Hälfte der 40 Veranstaltungen waren mit 110 Zuschauern ausverkauft.

Wer das Abendprogramm noch nicht anschauen konnte, hat heute die letzte Möglichkeit: Ab 20.30 Uhr ist der englische Fußball Thema. Motto: „Don’t mention the score“ – sinngemäß heißt das: „Erwähnt ja nicht das Ergebnis!“ Fünf Engländer erzählen dramatische und lustige Anekdoten aus ihrem Leben als Fußballfan – in ihrer Muttersprache. Der Eintritt ist frei. Am Sonntagabend ist kein Kulturprogramm vorgesehen, sondern eine lange Nacht, oder besser: ein langer Abend. Der Ball ist von 10 bis 22 Uhr zu besichtigen.

Nach seinem Auftritt am Brandenburger Tor wird der Globus jeweils sieben Wochen in den elf anderen WM-Städten zu sehen sein. Ab Juni 2004 zum Beispiel in Leipzig, zum WM-Eröffnungsspiel 2006 in München.

Andere Städte haben schon jetzt Teile ihres Programmes bis zum WM-Auftakt veröffentlicht. Berlin hält sich noch zurück, denn „mit massiver WM-Werbung würden wir die Berliner bald langweilen“, sagt Hans-Rudolf Zschernack vom Senat. Er ist zuständig für das Standortmarketing rund um die WM 2006 in Berlin. So langsam rückt das Fußballereignis aber in den Fokus, sagt Zschernack. Im kommenden Jahr wird in Portugal die Fußball-Europameisterschaft stattfinden. Berlin wird darauf vorbereitet sein. „Wir haben viele Ideen“, sagt Zschernack. Und die sehen so aus: Das Berliner WM- Logo wird öfter zu sehen sein, nicht nur wie derzeit auf Fahnen am Brandenburger Tor. So ist geplant das Emblem auch auf Briefbögen und Umschläge der Stadt Berlin zu drucken. Auch in Berlin-Prospekten wird das WM-Stadtsymbol zu sehen sein, es soll gezielt Touristen anlocken.

Schon während der EM 2004 in Portugal soll Berlin eine besondere Rolle spielen. So ist zu hören, dass Berlin eine Art „Kickermeile“ organisieren will. Entlang der Straße Unter den Linden. Oder entlang der Straße des 17. Juni. Und mal angenommen, die deutsche Nationalmannschaft steht im EM-Finale – die Berliner Fußballfans könnten gemeinsam das Endspiel gucken. Zum Beispiel auf einer Leinwand vor dem Brandenburger Tor oder im Sommergarten auf dem Messegelände. Die Planungen gehen in den kommenden Wochen ins Detail. Eines ist geklärt: Vom 8. bis 31. Juli 2006 steht der WM-Globus wieder in Berlin. Wahrscheinlich aber nicht wieder vor dem Brandenburger Tor. Als Standorte wurden der Alexanderplatz oder das Gelände vor dem Olympiastadion vorgeschlagen. Selbst der Ku’damm wird nicht ausgeschlossen.

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