Berlin : Dem Potsdamer Platz die Krone aufgesetzt

Richtfest am Beisheim-Center: Wowereit freut sich auf Ballsaal

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Langsam, fast vorsichtig zog der Baukran die Richtkrone empor. Begleitet von der etwas heiseren Stimme von Oberpolier Reiner Duda, der den Kranz aus Nadelzweigen mit einem Vers in feinstem Berlinerisch aufs Dach schickte. Das Richtfest am BeisheimCenter war gestern der vorletzte Akt der Bebauung des Potsdamer Platzes. Der letzte folgt bald. „Wir werden das Projekt im Dezember beenden“, sagte Erwin Conradi, Geschäftsführer der Beisheim Holding. Also kurz vor dem 80. Geburtstag des Eigentümers. Otto Beisheim, Gründer der Metro-Gruppe, hat 463 Millionen Euro in das Projekt investiert. Jetzt steht sein Stadtquartier vor der Vollendung. Wenn alles klappt, wurde es in nur vier Jahren geplant und auf der Brache des Lenné-Dreiecks errichtet. Neben zwei Hotels (Ritz-Carlton und Marriott) und 13 000 Quadratmeter Büroflächen wird es 50 Eigentumswohnungen geben.

Man habe bewusst auf Häuser aus Stein gesetzt, um einen Kontrast zu den benachbarten Glasbauten am Sony-Center zu setzen, sagte Conradi. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit überzeugte sich mit einem Blick hinter die Bauplanen und fand keinen Anlass zur Kritik. „Das Center ist ein Zeichen für die Zukunft Berlins.“ Eine Ahnung davon bekam er in der noch grauen Halle im ersten Stock des Ritz-Carlton. Wowereit: „Ein toller Ballsaal fehlt Berlin noch.“ Wer könnte das besser beurteilen?

Auch Bausenator Peter Strieder war angetan. „Nur die verspiegelten Fenster sind nicht mein Ding.“ Das wollten die Architekten nicht auf sich sitzen lassen: „Das ist doch eine abziehbare Schutzfolie.“ Ach so. „Dann habe ich nichts auszusetzen.“

Also alles super? Nicht ganz. Obwohl man sich im Zeit- und Budgetplan befinde, habe man auf der Einnahmenseite einen „Nachlauf“, gab Conradi zu. Noch sind nicht alle Büroflächen vermietet. Zwar nehmen die Hotels 80 Prozent der Geschäftsflächen ein, doch man werde „noch ein halbes Jahr“ nach Fertigstellung brauchen, um den Rest zu belegen. Trösten kann man sich damit, dass zwei Apartments zu je fünf Millionen Euro an einen deutschen Unternehmer und eine Frau aus Chicago verkauft worden sind. chh

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