Berlin : Dem Saurier geht’s ans Skelett: Bloß kein Oberschenkelbruch

Wegen Renovierung schließt das Naturkundemuseum den bekanntesten Saal. Die Operateure müssen beim Zerlegen des Dinos ab 14. März vorsichtig sein

Christian van Lessen

Im Rücken des Dinosauriers verkündeten die Oberen des Naturkundemuseums gestern das vorläufige Ende des Reptils: Das Skelett mit über 200 Knochen wird in Einzelteile zerlegt, wenn der Sauriersaal am 14. März schließt. Insgesamt vier Ausstellungssäle sollen bei laufendem Betrieb bis Mitte 2007 für 17,7 Millionen Euro neugestaltet werden.

Und weil der 150 Millionen Jahre alte Brachiosaurus bei der Renovierung stören würde und mit seinen zwölf Metern Höhe auch durch keine Tür passt, muss er eben ganz klein werden. David Unwin, dem Saurier-Kustos im Museum, ist ein wenig mulmig zumute, ob alles gut geht. Die Dinoknochen sind schwer, bis zu 100 Kilo, sind spröde und zum Teil zerbrechlich. Vieles ließe sich vielleicht reparieren, wirklich schlimm wäre allerdings ein kapitaler Oberschenkelbruch.

Eine Fachfirma wird mit der Hebebühne anrücken, um vom Schädel bis zum 23 Meter entfernten Schwanzende Knochen für Knochen und Wirbel für Wirbel vom Stützgerüst abzutragen. Das dauert bis zu sieben Wochen. Die Teile des Skeletts werden sorgfältig in Schaumstoff gebettet, untersucht, geputzt, frisch konserviert und per Transportkisten in eine Moabiter Lagerhalle verfrachtet. Anfang 2007 soll der Dino in der sanierten, mit neuem Dach versehenen Saurierhalle wieder auferstehen: Nicht mehr so geduckt wie heute, sondern mit gerecktem Hals, durchgedrückten Beinen und schwebendem Schwanz.

Neugestaltet werden die Säle nach Plänen des Schweizer Architekturbüros Diner & Diener, das Ausstellungskonzept entwickeln das zur Humboldt-Universität gehörende Museum und die Agentur Art+Com. Anna-Barbara Ischinger, Uni- Vizepräsidentin, lobte gestern den Senat, der für die Sanierung der Säle seine „goldene Hand“ ausgestreckt habe, um Lotto- und EU-Mittel aus dem Fonds für regionale Entwicklung zu erhalten. Aber es sei ein Skandal, sagte sie, dass sich die Bundesregierung bisher vor der Verantwortung für das Museum und seine Sammlungen von Weltrang drücke. Wie berichtet, müsste das gesamte Haus, zum Teil noch Kriegsruine, dringend saniert werden.

Das Naturkundemuseum an der Invalidenstraße 43 in Mitte bleibt während der Saal-Sanierung geöffnet. Von 8. bis 13. März verlängerte Öffnungszeiten zum Abschied vom Sauriersaal: täglich außer montags bis 20 Uhr. Nähere Informationen unter www.naturkundemuseum-berlin.de

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