Berlin : Demo für Bahnhof Zoo

Mehr als 100 000 Unterschriften und ein Protestzug gegen die Abkoppelung vom Fernverkehr

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Nachdem alle bisherigen Proteste gegen die Abkopplung des Bahnhofs Zoo vom Fernverkehr nicht gefruchtet haben, soll es Anfang Juni eine große Demonstration geben, um den Druck auf Bahnchef Hartmut Mehdorn zu verstärken. Darauf einigten sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, zu der am Montagabend die AG City eingeladen hatte. Insgesamt waren rund 200 Gäste ins Hochhaus des Europa-Centers gekommen.

Die Theologin und ehemalige Pfarrerin Helga Frisch sagte, die von ihr gegründete Bürgerinitiative habe bis jetzt mehr als 110 000 Protestunterschriften gesammelt. Die Deutsche Bahn zeige aber „keine Kompromissbereitschaft“. Der AG-City-Vorsitzende Kurt Lehrke warf der Bahn eine „skandalöse Unfähigkeit zum Dialog“ vor. Auf die Einladung zur Diskussion habe sie nicht einmal reagiert.

Der Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Abgeordnetenhauswahl, Friedbert Pflüger, wurde vom Publikum aufgefordert, ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu führen. Pflüger erklärte sich dazu bereit und kündigte zudem an, einen Brief an Hartmut Mehdorn zu schreiben. Die Verantwortung liege aber eigentlich beim Senat, der sich längst an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hätte wenden müssen, kritisierte Pflüger.

Auf Unverständnis stieß in der Runde, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) seine Teilnahme aus Termingründen abgesagt hatte. Einige Redner warfen dem Senatschef einen „halbherzigen“ Einsatz für den Bahnhof Zoo vor. „Wowereit war anfangs zögerlich“, gab die Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) zu. Sie verteidigte ihren Parteifreund jedoch damit, dass Wowereit gegen die Verlagerung der Konzernzentrale der Bahn von Berlin nach Hamburg gekämpft habe; vor diesem Hintergrund habe er sich beim Streit um den Bahnhof Zoo etwas zurückgehalten.

Der neue Fahrplan tritt am 28. Mai in Kraft; ab dann werden Fernzüge nicht mehr am Zoo halten und bis zum neuen Hauptbahnhof durchfahren. „So etwas kann sich nur ein kundenfernes Staatsunternehmen leisten“, sagte der FDP-Spitzenkandidat in Charlottenburg-Wilmersdorf, Jürgen Michael Schick.

Eine „Blamage zur Fußball-WM“ erwartet die Berliner Grünen-Spitzenkandidatin Franziska Eichstädt-Bohlig. Der Hauptbahnhof sei schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Sie verstehe auch nicht, wie man der City-West den Anspruch auf einen eigenen Fernbahnhof verwehren könne: „Hier ist das größte Beschäftigtenzentrum Berlins.“ CD

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