Berlin : Demo gegen Rassismus: "Es geht um Selbstbestätigung"

Wie reagierten die Brandenburger auf "Mein Fre

Thomas Höft (39) ist seit Sommer 1999 Intendant des Theaters in Brandenburg an der Havel. Anfang Juni verursachte er großes Aufsehen, als sein Haus das umstrittene Stück "Mein Freund Hitler" von Yukio Mishima in der Regie von Claude-Oliver Rudolph herausbrachte. In unserer Serie zur Demonstration am 9. November haben wir Thomas Höft zu seinen Erfahrungen und Erwartungen befragt.

Wie reagierten die Brandenburger auf "Mein Freund Hitler"?

Es gab eine Aktion von Leuten aus dem linken Spektrum: Sie überklebten systematisch Hitlers Kopf und seinen Namen auf den Theaterplakaten, die wir in der Stadt geklebt hatten. Wir haben das nicht verändert. Ein provokantes Stück darf drastische Reaktionen hervorrufen.

Welches Publikum kam in Ihr Haus?

Ganz normales Kulturpublikum. Menschen, die sich bewusst als "Rechte" zu erkennen gaben, waren nicht im Saal.

Kann Theater etwas gegen den alltäglichen Rechtsradikalismus tun?

Absolut. Aber man darf das nicht moralinsauer angehen, mit plakativem "Theater gegen Rechts", weil sonst nur die Leute kommen, die sagen wollen: Seht her, wir sind die Guten. Ich würde gerne mit den Kahlgeschorenen über das Medium Theater ins Gespräch kommen. Für meine szenische Version der "Matthäus-Passion" habe ich zum Beispiel mit Statisten gearbeitet, die als rechts galten.

Kann Kultur Menschen "besser" machen?

Davon bin ich fest überzeugt. Es geht doch darum, dass viele Menschen heute das Gefühl haben, in unserer Gesellschaft nichts wert zu sein. Religion wie Theater können ihnen dieses Gefühl geben.

Was erwarten Sie von der Demonstration am 9. November?

Es geht vor allem um Selbstbestätigung. Psychologisch funktioniert das wie bei einem Gottesdienst: Man kommt an einem Ort zusammen, um gemeinsam zu zeigen, woran man glaubt. Ich will das nicht diskreditieren. Über das Symbolische hinaus haben solche Veranstaltungen oft etwas sehr Energetisches. Sie können den Teilnehmern die Kraft geben, im Alltag weiterzumachen.

Werden Sie an der Demo teilnehmen?

Ich kann an dem Tag aus beruflichen Gründen nicht in Berlin sein. Aber selbst wenn ich hier wäre, würde ich wohl nicht hingehen, denke ich. Ich bin in der Nähe von Gorleben aufgewachsen, Großdemonstrationen haben meine Jugend geprägt. Heute irritieren mich Massenkundgebungen eher.

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