Berlin : Demo gegen Rechts: Warum wir auf die Straße gehen

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Die Rentner Manfred Schwarzien (links oben) und Eduard Müller (rechts oben) sind mit ihrer SPD-Arbeitsgemeinschaft "60 plus" aus Hannover nach Berlin gekommen. "Nach den jüngsten Vorkommnissen ist es wichtig, ein Zeichen zu setzten", sagt der 64-jährige Schwarzien. Er ist überzeugt, dass die erwarteten 100 000 Teilnehmer auf jeden Fall etwas bewirken. Sollten weniger kommen, "ist es eben nur ein kleines Zeichen, aber immerhin überhaupt eines". Dem 67-jährigen Müller geht es vor allem darum, den hier lebenden Ausländern ihre Ängste zu nehmen und zu zeigen, dass die Deutschen gegen Rechtsextreme aufstehen. Außerdem hätten auch immer mehr alte Leute Angst vor Gewalt. Die Berliner Lehramtsstudentin Anja Kunzmann (oben mitte) ist zufällig in die Demo gerutscht. "Ich war unterwegs zu einem Termin, habe aber nun extra keinen Umweg gemacht, sondern werde noch ein Stückchen mitdemonstrieren. Ich halte das für wichtig, sich zu positionieren", sagt die 27-Jährige.

Für die drei Abiturientinnen Julia Brinkmann, Wiebke Bruns und Evelyn Vajen (Foto unten) war es "selbstverständlich zu dieser Veranstaltung zu fahren". Mit einem Bus der Braunschweiger Jusos sind die drei, die in Gifhorn leben, kostengünstig in die Hauptstadt gekommen. Vor Beginn der Demo haben sie sich im Restaurant Rimon, in dem der Ägypter Shokry Affara kellnert, gestärkt. Die drei Schülerinnen wurden vom Unterricht befreit. Dass die Veranstaltung etwas bewirkt, darin sind sie sich einig. "Aber eigentlich ist jede Teilnehmerzahl peinlich, solange nicht jeder in Deutschland auf die Straße geht", findet Julia.

Kellner Shokry Affara wird nach Feierabend mitdemonstrieren, weil er meint, dass "alle zusammenhalten müssen gegen Rechts". Für ihn gibt es auch einen ganz persönlichen Grund, auf die Straße zu gehen. Vor kurzem habe er sich von seiner Frau getrennt, weil die ausländerfeindlich sei. "Sie verbietet mir jetzt, unser Kind zu sehen."

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