Demo gegen Verbot : "Wir sind Gamer, keine Killer"

Grüne, Piratenpartei und Initiativen demonstrieren mit Kunstblut aus Rote Beete und Kakao gegen ein mögliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Actioncomputerspielen. 50.000 unterschrieben bereits die Online-Petition.

Kathi Haid
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Flagge zeigen. Rund 300 Menschen demonstrierten gegen das Spiele-Verbot. Foto: ddpddp

Ein überdimensionales Schachfeld steht neben dem Neptunbrunnen am Alexanderplatz. Menschliche Figuren spielen eine Partie – doch dann kommt der entscheidende Schachzug: Die weiße Dame schmeißt einen schwarzen Bauern um. Theatralisch fällt der schwarze Bauer zu Boden – Blut strömt. Die weiße Dame, so stellt sich heraus, ist ein Pirat. Sein Name ist Fabio Reinhardt. Er ist Pressesprecher der Piratenpartei.

Mit Kunstblut aus Rote Beete und Kakao und verkleidet als Riesenschachfiguren unterstützt die Piratenpartei die Demonstration des Bündnisses Aktion-Jugendkultur gegen ein mögliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Actioncomputerspielen. Mit der blutig inszenierten Killer-Schachpartie wollen sie vor allem dies zeigen: „Wenn man alles verbieten würde, was mit Krieg zu tun hat, oder damit Gegner zu besiegen, dann muss man auch Schach verbieten”, sagt er dann setzt die weiße Dame zum nächsten Zug an. Unter dem Motto: Wir sind Gamer – Demonstrationen für Spielkultur” protestierten Spieler in Köln, Karlsruhe und Berlin. Sie fordern eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Computer-Spiel-Kultur in Deutschland und ein Ende der Stigmatisierung.

In der Hauptstadt zogen rund 300 Demonstranten vom Brandenburger Tor bis zum Alex, dort gab es das Killerschachspiel und eine Kundgebung. „Wir brauchen den Dialog. Wir wollen zeigen, dass wir keine Zocker sind, die durchdrehen, sondern ganz normale Leute mit einem Hobby“, sagt Norman Schlorke vom Bündnis Aktion- Jugendkultur.

Der Protest richtet sich gegen den Verbotsbeschluss der Innenminister-Konferenz gegen die so genannten Killerspiele. Diese würden die Hemmschwelle zur Waffengewalt senken. „Das mag ja durchaus so sein, aber dann kann das auch durch andere Medien wie das Fernsehen passieren. Aber wenn man die Spiele richtig spielt, und sie nicht irgendwie als Ausweg oder Flucht benutzt, dann fördert das keine Gewalttat. Da kommen noch viele andere Faktoren hinzu”, erklärte Norman Schlorke. Auch die Piratenpartei ist dieser Meinung. „Wir setzen uns für die Interessen der jungen Leute ein, die in der Politik keine Beachtung finden. Sie sollen ihre Freizeit so gestalten können, wie sie wollen“, sagte Piratenpartei-Mitglied Fabio Reinhardt.

Bei der Demo soll es nicht bleiben. Anfang Juli kamen bei einer Online-Petition gegen das Verbot von Action-Computerspielen in nur wenigen Tagen über 50 000 Stimmen zusammen. Jetzt muss sie vor dem Petitionsausschuss im Deutschen Bundestag angehört werden. Die Haltung der Politiker stößt auf völliges Unverständnis bei den Spielern. „Es ist ein Hobby, das uns einfach nur Spass macht“, sagt ein Demonstrant und hebt sein Banner hoch: „Wir sind Gamer, keine Amokläufer.“ Kathi Haid

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