Berlin : Demo statt Party – so soll die Love Parade überleben

Musikagentur meldet für 10. Juli Kundgebung an der Siegessäule an. Auch Senat will Raver-Umzug retten, doch Geld möchte keine Partei geben

Sabine Beikler[Cay Dobberke]

Von Sabine Beikler,

Cay Dobberke

Das Tauziehen um die von den Veranstaltern abgesagte Love Parade ging am Donnerstag weiter. Aus Senatskreisen hieß es, mit einem Abschluss der Gespräche sei wohl erst in der kommenden Woche zu rechnen. „Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat ein klares Interesse daran, dass die Love Parade weiterhin stattfindet“, sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer. Wowereit, der derzeit in Urlaub ist, werde die Love Parade allerdings nicht zur „Chefsache“ machen, wie es FDP und CDU fordern. Federführend leite PDS-Wirtschaftssenator Harald Wolf die Verhandlungen mit den Veranstaltern. Dass diese das Aus der Parade verkündeten, obwohl die Gespräche noch bis Ende der Woche liefen, habe den Senat „überrascht“, sagte Donnermeyer. Wie eine Lösung aussehen könnte, wollte man in der Wirtschaftsverwaltung nicht kommentieren. Die Gespräche liefen. Man werde sich erst über ein endgültiges Ergebnis äußern.

Der Gründer der Techno- Party, Matthias Roeingh alias Dr. Motte, sieht dagegen wenig Chancen für eine Rettung des bisher für den 10. Juli geplanten Umzugs. Er sei skeptisch, dass innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Lösung gefunden werden könne, sagte Roeingh gestern. Es bleibe kaum genügend Zeit für die Organisation der Parade, der noch 700 000 Euro zur Finanzierung fehlen. Unterdessen hat eine Musikagentur für den Fall der Absage der Parade für denselben Tag eine Demonstration an der Siegessäule angemeldet: Für die Erhaltung der Love Parade (siehe nebenstehendes Interview).

Scharf kritisierte Christian Gaebler, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, die Veranstalter der Techno-Party. „Ich habe den Eindruck, dass ihnen die Love Parade über den Kopf gewachsen ist“, sagte Gaebler. Sicher sei der Umzug für Berlin ein „Magnet“, doch habe sich das Konzept totgelaufen. Und offensichtlich hätten die Veranstalter auch kein großes Interesse mehr daran. Nur so könne man sich die wiederholten „öffentlichen Erpressungsversuche“ erklären, indem man das Aus der Love Parade erkläre und zugleich staatliche Hilfe fordere.

In den letzten Jahren seien die Club- Nächte nach dem Techno-Umzug immer attraktiver geworden. Vielleicht solle man das Konzept in dies Richtung weiterdenken, sagte Gaebler, der darin vom PDS-Abgeordneten Benjamin Hoff und der Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling unterstützt wird. Der CDU-Abgeordnete Kai Wegner fordert weitere Verhandlungen. „Die Love Parade gehört zu Berlin wie der Karneval nach Köln.“ Wenn Berlin durch das Aus Einnahmen verloren gingen, dann müsse der Senat „im Zweifel“ eine Finanzspritze verpassen. Damit steht Wegner allein da. Bei allen Parteien heißt es: kein Geld vom Senat. Dass die Musikindustrie der Parade behilflich sein solle, schlägt FDP-Fraktionschef Martin Lindner vor. Love Parade und die Musik-Messe Popkomm sollten zeitlich zusammengelegt werden, dann habe man die Synergieffekte. Weil die Popkomm im September stattfinde, solle auch die Love Parade verlegt werden.

„Wir überlegen natürlich Alternativen“, sagte Geschäftsführer Fabian Lenz von der Love Parade Berlin GmbH. Angedacht sei, mit anderen Veranstaltungen oder Berliner Clubs zu kooperieren. Noch gebe es aber keine Aktivitäten. In irgendeiner Form werde sicherlich ein Techno-Fest am vorgesehenen Termin stattfinden, sagte Lenz. Veranstaltungsort wäre dann allerdings nicht der Tiergarten.

In der Clubszene gilt auch eine eigene Ersatzparty als möglich: „Wir haben schon lange über eine siebentägige Love Week in den Clubs nachgedacht“, sagte Peter Maibach vom Sage-Club. Er gehört zum Vorstand der vor vier Jahren gegründeten Verbandes „Club Commission“. Die Aktion könne über Berlin hinaus beworben werden und wohl auch eine kleine Freiluftparty beinhalten.

Die Stadtmarketing-Agentur „Partner für Berlin“ betonte, die Love Parade habe „einen hohen Stellenwert für Berlin“. Sie stehe für ein „junges, weltoffenes Image der Stadt“, sagte Geschäftsführer Friedrich-Leopold von Stechow. Andererseits könne die Stadt keine hohen Kosten übernehmen, wenn „gleichzeitig an elementaren Dingen gespart wird und zum Beispiel die Kita-Kosten steigen“. Die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) verweist auf eine Studie des FfH Instituts, wonach 500 000 Paradengäste etwa 50 Millionen Euro in Berlins Kassen bringen.

Die Hamburger CDU-Fraktion bot unterdessen die Hansestadt als Veranstaltungsort an. Auch aus Stuttgart, Leipzig und Köln wurde Interesse signalisiert. Die Paraden-Veranstalter haben einen Ortswechsel für dieses Jahr ausgeschlossen – für das nächste aber nicht.

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