Berlin : Demokratie schlüsselfertig

Mit dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ist das Band des Bundes komplett

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Stephan Braunfels hat sich seinen Lieblingsplatz in Berlin selbst errichtet. Er nennt ihn „Spreeplatz“ („Ich weiß selber nicht, ob der Name bleibt“). Er befindet sich am Ufer des Flusses, unter dem Vordach des neuen MarieElisabeth-Lüders-Hauses. Von hier aus genießt er eine wunderbare Aussicht. Links zum Reichstag und über die Ebertstraße auf die Türme am Potsdamer Platz. Und geradeaus durch die große Fensterfront des Paul-Löbe-Hauses auf das Bundeskanzleramt. „Hier sieht man, dass das Band des Bundes nicht nur eine Hubschrauberidee ist“, sagt der Architekt. Von ihm stammen die Pläne für das Lüders-Haus und auch die für das gegenüberliegende Löbe-Haus. Die „Pläne für das Band des Bundes“ entwarfen Axel Schultes und Charlotte Frank. Eitel Freude also über das neue Lüders-Haus, dessen Schlüssel gestern an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse übergeben wurden.

Freude beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages und den Mitarbeitern der Parlamentsbibliothek, die erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik in ein gemeinsames Domizil ziehen werden. Freude auch bei der Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestages, die im Lüders–Haus eine eigene Sporthalle, einen Gymnastik- und einen Fitnessraum nutzen können. Alles übrigens mit Parkettboden ausgelegt und mit einer digitalen Spielanzeige. Und nach dem Sport können sie gemeinsam in die Parlaments-Sauna gehen, in der am Mittwoch schon das Wasser im Tauchbecken gurgelte. Freude auch bei den Erben der Familie Wertheim, die von Thierse zur Eröffnung eingeladen worden waren, um seine Zusicherung zu hören, dass der Streit um die Grundstücke, auf denen das Lüders-Haus steht, rechtsstaatlich entschieden werden müsse. Nicht so freudig reagierte Axel Schultes. Seine Vorstellung vom Band des Bundes, das die Spree zwei Mal überbrückt, bleibe ein Fragment, weil der Bau zwischen Löbe-Haus und Kanzleramt fehlt. Die Demokratie als Bauherr habe versagt. oew

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