Demonstration : Auf der Straße für mehr Klasse

Viel Stress, knappes Personal, marode Bauten: Tausende haben für bessere Schulen demonstriert Lehrer und Schüler schleppen die Probleme seit Jahren mit. Doch im Wahlkampf ist es kaum ein Thema.

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Druck der Straße. Das Thema Bildung ist im Wahlkampf etwas unter gegangen.Alle Bilder anzeigen
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10.09.2011 20:38Druck der Straße. Das Thema Bildung ist im Wahlkampf etwas unter gegangen.

„Ich war mal gerne Lehrerin“, steht auf dem Schild von Korinna Trautmann. Die Pädagogin ist eine von rund 3000 Teilnehmern – die Lehrergewerkschaft GEW schätzt eher 6000 –, die am Sonnabend für bessere Schulen auf die Straße gegangen sind. Jetzt läuft sie zwischen anderen Lehrern und vor allem Eltern mit Kindern vom Alex zum Gendarmenmarkt und erzählt, was sie umtreibt: Seit ihrem Einstieg 1988 sei das Standardpensum von 21 auf 26 Unterrichtsstunden pro Woche gestiegen. Das bedeute Dauerstress – und Teilzeit komme für junge Kollegen „wegen der unsäglich geringen Gehälter“ nicht infrage. Die Schüler seien nicht besser dran: Sportunterricht bis 19 Uhr und die früher so beliebten AGs wie Theater, Chor und Musik würden in die nullte Stunde abgeschoben. Neben der Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre stört Trautmann vor allem „diese Testeritis“: Vergleichsarbeiten bestätigten nur, was erfahrene Pädagogen ohnehin spürten. Hinzukomme der Frust der als Verlierer bloßgestellten Schulen. Am Ende sagt Frau Trautmann noch, sie sei nach wie vor gern Lehrerin. Und: Die Probleme an ihrem Steglitzer Gymnasium seien völlig andere als an Grundschulen in Brennpunkten.

Wie zur Bestätigung erzählt die Kreuzberger Viertklässlerin Siri: „In der dritten Klasse ist ganz oft der Schwimmunterricht ausgefallen, weil ein Lehrer krank war. Deshalb haben manche kein Seepferdchen bekommen.“ Außerdem seien „die Toiletten eklig“, die gerade sanierte Turnhalle schon wieder zu und das Schulessen schmecke nicht. „Vor allem die Kartoffeln“, fügt ihre Schwester Lou hinzu, die in die zweite Klasse geht.

Hinter den Mädchen und ihrem Vater steht eine Mutter mit ihrer zehn Monate alten Tochter im Tragetuch. Die Kita finde einfach keine neue Erzieherin, sagt sie: zu viel Arbeit für zu wenig Geld.

Personalmangel, Sanierungsstau, besseres und in Ganztagsschulen kostenloses Essen sowie zu wenig Platz und Geld für Musik, Kunst und Theater – das sind wesentliche Kritikpunkte der Demo-Veranstalter. Alles keine neuen Forderungen, und im Detail werden sie obendrein kompliziert. Vielleicht erklärt das die relativ schwache Beteiligung an der Demo. Dabei galt Bildung zu Beginn des Wahlkampfes noch als Großthema für die Zeit bis zum 18. September – zumal die Missstände mehr als eine Million Berliner betreffen, wenn man die Eltern mitzählt.

Andere Wahlkampfthemen haben die Probleme im Bildungsbereich überlagert. Welche das sind, das lesen Sie auf der nächsten Seite.

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