Berlin : Demonstration: Friedenbewegung bringt Tausende auf die Straße

Katja Füchsel

Nach dem amerikanischen Gegenschlag erlebt die Friedensbewegung in Deutschland jetzt eine Renaissance: Allein in Berlin werden für den bundesweiten Aktionstag am Sonnabend 50 000 Menschen erwartet. "Kein Krieg! Aufstehen für den Frieden!", lautet das Motto der Demonstration, der sich mehr als 60 Organisationen, Verbände und Gruppen angeschlossen haben.

Es ist die Angst vor dem Krieg, die die Menschen nach den Anschlägen in den USA auf die Straße treibt. Um 13 Uhr wollen sich die Demonstranten am Samstag an zwei Treffpunkten versammeln, dem Brandenburger Tor und dem Roten Rathaus. Parallel zu der Großdemonstration wird auf dem Potsdamer Platz für den Frieden protestiert, hier lautet das Motto zwischen 11 und 17 Uhr: "Stoppt die Militarisierung des Weltraums!" Die Demonstranten fordern die Abschaffung von Atomwaffen und Raketen. Am S-Bahnhof Friedrichstraße treffen sich um 13 Uhr ebenfalls friedensbewegte Demonstranten. Unter dem Motto "Für ein anderes Berlin" wollen sie zum Neptunbrunnen in Mitte marschieren.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Machtvoller dürfte das Protest-Aufgebot wirken, das vom Roten Rathaus und dem Brandenburger Tor aus auf den Gendarmenmarkt zu marschieren will. "Die Innenstadt wird am Samstag dicht sein", sagt eine Sprecherin der Polizei - und rät mal wieder: "Den Bereich weit umfahren." Die Liste der aufrufenden Organisationen liest sich wie ein "Who is who" der Friedensbewegten: Netzwerk Friedenskooperative, Ohne Rüstung leben, Bundesausschuss Friedensratschlag, Berliner Friedenskoordination, Deutsche Friedensgesellschaft...

Aber es sind auch Gruppen vertreten, die sich bislang nicht unbedingt als pazifistisch ausgewiesen haben. Die Globalisierungsgegner von "Attac" beispielsweise. Auch wenn sich die Organisation immer wieder von Gewalt distanziert hat, konnte sie nicht verhindern, dass ihr Name erst mit den Krawallen von Göteborg und Genua richtig bekannt geworden ist. Gegenwärtig machen die Gruppen auch im Internet mobil: Es wird um Spenden gebeten, Mitfahrgelegenheiten werden organisiert, "Flyer" und "Flash-Banner" unter die Leute gebracht. Das Friedenszeichen können sich die Anhänger als "Logo" runterladen.

Rund 6000 Teilnehmer protestierten gestern Abend vor dem Roten Rathaus "Gegen Terror und Krieg". Hauptredner auf der von der PDS organisierten Kundgebung gegen die Militäraktion der USA in Afghanistan waren die PDS-Bundesvorsitzende Gabi Zimmer und PDS-Spitzenkandidat Gregor Gysi. Er kritisierte die Bundesregierung, weil sie die Militäraktion unterstützt. Verbrechen wie die Terror-Anschläge in den USA könnten durch keine Ideologie auch nur ansatzweise gerechtfertigt werden, sagte Gysi. Er forderte, die Verantwortlich "am besten vor einem internationalen Gerichtshof" zur Rechenschaft zu ziehen.

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