Demonstration : Vermummt aus Furcht vor Scientology-Fotografen

Kritiker der Scientology-Organisation protestierten am Sonnabend vor der Zentrale an der Otto-Suhr-Allee. Obwohl bei Demonstrationen ein Vermummungs-Verbot besteht, schritt die Polizei nicht ein.

Jörn Hasselmann
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Maskiert zur Demo. Die Teilnehmer warnten bei ihrer Kundgebung am Sonnabend vor den Aktivitäten der Organisation. -Foto: Oliver Wolff

Etwa 50 Menschen protestierten gestern gegen Scientology. Die Demonstranten zogen vom Bahnhof Zoo zur Zentrale der Organisation in der Charlottenburger Otto-Suhr-Allee. Zeitgleich fanden weltweit, auch in mehreren deutschen Großstädten, Proteste statt. Organisiert wurden sie von einem Bündnis, das sich „Anonymous“ nennt. Der Anmelder der Berliner Demonstration sagte gestern, man wolle auf die Gefährlichkeit von Scientology aufmerksam machen. Diese gehöre verboten.

Scientology selbst reagierte gestern wie bei der ersten Demonstration im Februar. Vor dem Hauptquartier an der Otto-Suhr-Allee wurde eine ganztägige Kundgebung bei der Polizei angemeldet, 50 Anhänger nahmen teil.

Obwohl eine „Vermummung“ bei Demonstrationen verboten ist, schritt die Polizei gestern nicht ein, obwohl viele Scientology-Gegner Masken oder Tücher trugen. Man respektiere, dass die Maskierung dem Schutz vor Scientology-Fotografen diene, hieß es. Gegenüber der Polizei hatten sich alle Maskierten bereit erklärt, ihr Gesicht zu zeigen. Im Aufruf zur Demonstration hieß es, dass Scientology „dafür berüchtigt ist, gegen Kritiker skrupellos vorzugehen. Demonstranten werden stets von Scientologen oder eigens angeheuerten Privatdetektiven fotografiert und gefilmt, um ihre Identität herauszufinden“. Tatsächlich wurde auf der Internetseite „Youtube“ ein Video mit Bildern von Teilnehmern der ersten Demonstration im Februar veröffentlicht – mit Namen, Vornamen und Spitznamen. Das Video wurde am Donnerstag vom Netz genommen. Ein leitender Polizeibeamter bestätigte diese Angaben von „Anonymous“. Gestern überprüfte die Polizei drei Personen, die auffallend intensiv die Scientology-Gegner fotografierten. Die Beamten wiesen die Fotografen darauf hin, dass eine Veröffentlichung der Bilder eine Straftat darstellen könne. Der Sprecher der Organisation, Reinhard Egy, bestätigte gestern, dass fotografiert werde. Dies sei nicht verboten. Die Gegendemonstranten bezeichnete Egy als „Internetkriminelle“ und „Cyberterroristen“. Wie berichtet, wirft Scientology der Gruppe „Anonymous“ vor, für Hacker-Angriffe auf die Scientology-Internetseite verantwortlich zu sein.

Dem Vernehmen nach hat sich Scientology zudem bei Polizeipräsident Dieter Glietsch über eine „Benachteiligung“ beschwert. Darin wird kritisiert, dass der Einsatzleiter der Polizei nicht eingeschritten sei, als Scientology-Gegner bei der ersten Demonstration Plakate trugen, auf denen „Hupen gegen Scientology“ stand. Tatsächlich hatten damals einige Fahrer gehupt. Da Hupen ohne Anlass eine Ordnungswidrigkeit sei, hätte die Polizei die Plakate beschlagnahmen müssen – so jedenfalls die Scientology-Logik. Dem Vernehmen nach will Glietsch den Anwälten antworten, dass eine Aufforderung zur Ordnungswidrigkeit nicht strafbar ist. Auch gestern schritt die Polizei weder gegen die Hup-Plakate noch gegen lärmende Autofahrer ein. Aber auch Scientology durfte Krach machen. Obwohl sich mehrere Anwohner beschwert hatten, durfte die Organisation laut Musik abspielen. Jörn Hasselmann

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