Berlin : „Den Befürwortern keine Plattform“ Wie türkische Blätter über

die Kopftuch-Demo berichteten

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Beinahe hätten die Leser der Hürriyet und Milliyet die Nachricht über die Kopftuch-Demonstration am Sonnabend in Berlin übersehen. So klein und unauffällig waren die bebilderten Texte. „Wir wollen den Kopftuchbefürwortern keine Plattform bieten. Die freuen sich sogar über kritische Berichte“, begründete gestern ein Milliyet-Mitarbeiter die Entscheidung zumindestens seiner Zeitung. Die religiös-nationalistische Tageszeitung Türkiye (nach der Hürriyet die zweitgrößte türkische Zeitung in Deutschland) brachte das Thema dagegen groß raus. „Widerstand gegen Kopftuchverbot“, schrieb die Zeitung auf der Titelseite. Eine Aufnahme stammte aus Frankreich und eine aus Berlin vom Oranienplatz in Kreuzberg.

„Bei der Demonstration in Berlin haben mehrere hundert Menschen das Kopftuchverbot als Schande der Menschheit bezeichnet und skandiert, dass es nicht mit den Grundlagen der Gewissensfreiheit zu vereinbaren sei“, hieß es in den Unterzeilen. Auch auf der vierten Seite bekam die Demo in Berlin einen prominenten Platz, genau in der Mitte der Seite. „Sie sind gegen das Verbot gelaufen“, hieß es da in der Überschrift. Die Türkiye berichtete zudem über die „Solidarität der deutschen, zivilen Organisation namens „Linksruck“. „Sie hat gefordert, dass die Gesetzentwürfe zum Verbot gestoppt werden sollten“, schrieb die Zeitung, die alles andere als politisch links einzuordnen ist.

Auch sonst berichtete die Türkiye viel über religiöse Themen. Denn es ist wieder die Zeit, um nach Mekka in Saudi-Arabien zu reisen. Bekannt ist diese Pilgerreise als Hadsch. Einmal im Leben ist die Reise für Muslime Pflicht, wenn es die finanzielle Situation erlaubt. In diesem Zusammenhang berichtete die Zeitung am Donnerstag über eine Hadsch-Zeremonie der Organisation Milli-Görüs, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Das Gemeindehaus der Sektion Frankenthal im Rhein-Saar-Gebiet sei sehr gut besucht gewesen. „Immer mehr junge Menschen auf dem Weg zum Hadsch“, hieß es in der Überschrift. Dazu zeigte die Zeitung eine Aufnahme von vier jungen männlichen Hadsch-Anwärtern. Am Freitag berichtete die Zeitung ebenso selbstverständlich über einen Koran-Lesewettbewerb für Jugendliche der nationalistischen Organisation „Türkocagi“ in Mannheim. Den Vorsitzenden zitierte die Türkiye mit den Worten: „Versucht euch euren Kindern zuliebe (angesichts des sozialen Elends) zu integrieren, ohne euch zu assimilieren.“

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