Berlin : Den Berliner Genossenschaften geht es gut

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Die Insolvenz der Wohnungsbaugenossenschaft „Eigentum 2000“ in Marzahn ist, gemessen an der wirtschaftlichen Lage der Branche, wohl ein untypischer Einzelfall. Das sei eine „politisch motivierte Gründung“ gewesen, sagte gestern Frank Schrecker, Sprecher eines Beirats, in dem sich 24 Wohnungsbaugenossenschaften in Berlin zusammengeschlossen haben. „Eigentum 2000“ habe aus den Beständen der ehemaligen städtischen Wohnungsbaugesellschaft Marzahn unsanierte Wohnungen in einer schwierigen Region auf Kredit gekauft und renoviert.

Die 24 Genossenschaften, die in Berlin 92 000 Wohnungen anbieten und 134 000 Mitglieder haben, präsentierten andere Zahlen. Ende 2004 standen nur 1,8 Prozent der Wohnungen leer. „Das ist eher eine Fluktuationsreserve“, so Schrecker. Zum Vergleich: Stadtweit liegt die Leerstandsquote bei 5,5 Prozent. Bei „Eigentum 2000“ waren es über 20 Prozent. Etwa 133 Millionen Euro investierten die Genossen im vergangenen Jahr in ihre Wohnungen. Beispielsweise wurden einige tausend Balkone angebaut, Wohnungsgrundrisse geändert und Aufzüge eingebaut. Die Mitglieder zahlen jährlich 22,5 Millionen Euro Nutzungsentgelte ein. Unklar ist noch, wie vielen Mitgliedern die HartzReformen so zusetzen, dass sie ihre monatlichen Mietbeiträge nicht mehr pünktlich zahlen können.

Neue Wohnungen werden allerdings kaum noch gebaut; das gibt der Berliner Wohnungsmarkt nicht her. Aber die Idee des genossenschaftlichen Wohnens werde seit einigen Jahren von der Politik wieder ernst genommen, sagte Schrecker. Er hoffe, dass dieser Idee nicht geschadet werde durch riskante Neugründungen oder „ausgesprochen ärgerliche“ Insolvenzfälle wie in Marzahn. Entgegen früheren Prognosen kommen die Genossenschaften auch mit dem Wegfall der öffentlichen Wohnungsbauförderung zurecht. Der Senat hatte 2003 beschlossen, die Anschlussförderung nach 15 Jahren zu stoppen. „Das Problem ist ohne erhebliche Mieterhöhungen zu stemmen“, versicherte Schrecker. Möglicherweise müssten Investitionen zurückgestellt werden, um die fehlenden Einnahmen intern aufzufangen. „Aber das bringt keine unserer Genossenschaften in eine existenzgefährdende Situation.“ za

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