Berlin : Den Flutopfern in Sri Lanka geholfen

Annette Kögel

WIEDERAUFBAU NACH DEM TSUNAMI

Überwältigend war das Gefühl, genau da geholfen zu haben, wo Menschen Unterstützung bitter nötig haben. Die Gewissheit überkam unsereins am Strand von Mullaitivu, im Nordosten Sri Lankas. Dort, wo das Meer so friedlich türkisblau vor einem lag, als wäre nichts gewesen. Und doch war die Katastrophe, das Entsetzen, der Tod überall an diesem Ort zu spüren. Nicht nur beim Anblick der Ruinen und der Palmenstämme, denen das Meer hoch oben die grüne Krone abgerissen hatte. Zehntausende Männer, Frauen und Kinder sind auf der Insel ums Leben gekommen. Wellen erschlugen sie, schmetterten sie gegen Häuserwände, löschten Existenzen aus. Hunderttausende wurden obdachlos.

Und doch gibt es Hoffnung, neues Leben in den Übergangsdörfern, die unter anderem die Deutsche Welthungerhilfe für die Ärmsten der Armen errichtet hat. Hier im Nordosten der Insel, im Tamilengebiet, haben die Srilanker durch den 20 Jahre währenden Bürgerkrieg in einfachen Verhältnissen zwischen zerschossenen Häusern gelebt. Kinder werden in Flüchtlingslagern groß.

Dagegen wirken jene Häuser, die die „German Agro Action“ mit einheimischen Arbeitskräften errichten konnte, beinahe luxuriös. 307 Übergangshäuser aus Stein mit Palmwedeldächern konnten seit der Katastrophe dank Tagesspiegel-Spenden in Mullaitivu gebaut werden; 210 Häuser aus Rohrgestänge und mit Wellblechdächern enstanden weiter südlich hinter der Grenze zum von den Singhalesen verwaltetet Regierungsgebiet. Alle Häuser stehen in sicherer Entfernung zum Meer. Auch Schulen gehören zu den Behelfsdörfern, Gemeindehäuser, sanitäre Anlagen und Wassertanks. Jedes Haus ist etwa 30 Quadratmeter groß, rund fünf Personen wohnen darin. In jedem Haus haben die Hinterbliebenen kleine Altäre errichtet. So wie Jothy Vinsantypol, die mit Fotos und Blumen an ihre Tochter Thusanthiny erinnert, die nur 16 Jahre alt wurde.

Damit haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, in der ersten Aufbauphase 2500 Menschen ein neues Dach über dem Kopf ermöglicht. Die Standards haben die Behörden vorgegeben, alle Baumaßnahmen sind eng mit Vertretern von Tamilen und Singhalesen abgestimmt. Der Bau einer Behelfshütte kostete vor Halbjahresfrist zwischen 370 und 525 Euro. Die Preise steigen ständig, auch in Südasien gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage, und Baumaterial wird immer knapper.

Welthungerhilfe und Tagesspiegel engagieren sich weiter für die Menschen im Nordosten Sri Lankas. Gerade haben wir die weiteren Hilfsmaßnahmen für die zweite Aufbaustufe miteinander abgestimmt. So können im Dorf Thithakkarai nahe Mullaitivu dauerhaft Wohnhäuser errichtet werden. Für die 14 Privathäuser mit Wasser- und Stromversorgung sind 84 000 Euro veranschlagt, das Gemeindehaus soll 16 000 Euro kosten. Insgesamt will die Welthungerhilfe dort Häuser für 181 Familien bauen. Weitere 100 000 Euro werden dem neuen Berufsbildungszentrum in Trincomalee zugute kommen. Dort sollen junge Männer im modernen Fischereiwesen mit großen Booten ausgebildet werden – ein zukunftträchtiger Berufszweig. Die übrigen 100 000 Euro werden ins so genannte „Livelyhood“-Projekt fließen. Die Welthungerhilfe prüft gerade, welche arbeitsbeschaffende Maßnahmen sich in Trincomalee langfristig als sinnvoll erweisen.

Auch über diese drei weiterführenden Hilfsprojekte werden wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, weiter detailliert unterrichten. Aus Sri Lanka ein herzliches „Nanri“ – so heißt Danke auf Tamilisch.

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