Berlin : Den Hund gequält, bis das Blut floss

Bewährungsstrafe für einen 24-Jährigen, der seinen Labrador misshandelte

Kerstin Gehrke

Der Hund sollte die Einsamkeit vertreiben. Doch anders als sein Tier soll Marcel-Thomas N. kein guter Freund gewesen sein. Als die Labrador-Hündin Tina acht Monate alt war, alarmierte eine Nachbarin die Polizei. „Der Hund bellte nicht, er wimmerte nicht, er schrie einfach nur“, sagte die Zeugin. Die Beamten fanden Tina in der Badewanne. Sie lag hilflos und blutend im kalten Wasser. Der 24-jährige N. soll seine Hündin derart misshandelt haben, dass sie nicht einmal mehr stehen konnte. Wegen Tierquälerei musste er sich gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Für alles hatte der hagere Mann mit gepiercten Wangen und Lippen eine Erklärung. „Ich wollte sie nur in der Badewanne waschen.“ Tina sei nicht stubenrein und nach einem Autounfall „ängstlich und schwierig“ gewesen. Zudem habe es eine Woche vor dem Vorfall im Badezimmer in der Nacht zum 10. Mai dieses Jahres eine Beißerei mit einem anderen Hund gegeben. Ob sich Tina beim Waschen gewehrt habe, wollte die Richterin wissen. „In einer gewissen Art“, nuschelte der Friedrichshainer, aber einen „Kampf“ habe es nicht gegeben. „Allerdings quiekt und schreit sie bei jeder Kleinigkeit“, erklärte N. Er habe außerdem am Herrentag ziemlichviel getrunken getrunken gehabt.

Es war eine Hundeführerin der Polizei, die Tina aus der Wohnung des Angeklagten im Bezirk Friedrichshain rettete. „Der Hund lag in der randvollen Badewanne, lethargisch“, sagte sie im Prozess. Tina wurde beschlagnahmt und zum Tierarzt gebracht. Mehrere Wunden bluteten, die Schädeldecke war geschwollen, der linke Hinterlauf gebrochen.

Aus Sicht der Richterin misshandelte N. sein Tier nicht aus Rohheit, sondern aus Überforderung. Gegen den vorbestraften Mann erging eine dreimonatige Bewährungsstrafe. Zudem darf er zwei Jahre lang keine Wirbeltiere mehr halten und muss 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Labrador-Hündin aber bleibt die Begegnung mit ihrem einstigen Herrchen wohl nicht erspart. Sie lebt jetzt bei einer Bekannten des Angeklagten.

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