Berlin : Den Maybach mussten die Meisterdiebe stehen lassen

Polnische Profigangster stahlen 250 Luxuslimousinen in ganz Deutschland. Die Tiefgarage unterm Adlon war ihre letzte Station

Jörn Hasselmann

Mit dem Maybach wollten die Autodiebe ihre professionelle Arbeit krönen. Der gut 250 000 Euro teure Luxuswagen stand in der videoüberwachten Tiefgarage unterm Hotel Adlon – doch die drei fühlten sich gestört und brachen ihr Vorhaben ab. Zwei Tage zuvor hatten sie am selben Ort noch Erfolg gehabt und dort einen Mercedes S 430 geklaut. Und einen 500 SL aus einem Langzeitparkhaus des Flughafens Tegel.

Doch die beiden Daimler werden in den kommenden Jahren die letzten sein, die das polnische Trio geknackt hat. Nach mehrtägiger Observation durch Spezialeinheiten der Polizei wurden die Täter am Mittwoch im Berliner Umland festgenommen. Wie die Polizei jetzt bekannt gab, soll die Bande seit Sommer 2001 bundesweit 250 Fahrzeuge gestohlen haben, immer aus Parkhäusern von Flughäfen und Hotels. Bis auf die beiden sichergestellten Berliner Wagen sind alle mit frisierten Papieren in den Ostblock verschickt worden, meist unauffällig im Schiffscontainer. Der Schaden beträgt etwa 20 Millionen Euro, denn Robert B., Tadeusz L. und Krzysztof S. stahlen nur die Spitzenmodelle von BMW und Mercedes, Einzelpreis um die 100 000 Euro.

Wegfahrsperren und Alarmanlagen waren für die Täter kein Problem, sie wurden ausgetauscht oder überbrückt. Woher die Männer ihr Spezialwissen hatten? Das verraten sie nicht. „Sie haben uns ihren Namen genannt und sonst gar nichts“, sagt ein Ermittler. Der Grund: Angst vor den polnischen Chefs der Bande. Gegen das Trio und zwei kurz darauf festgenommene Helfer wurde Haftbefehl erlassen. Die Ermittlungen führte eine Sonderkommission der Kölner Kripo, da am dortigen Flughafen der Autoklau nach dieser Masche zuerst aufgefallen war. Und die ging so: Zunächst stahlen die Täter auf der Straße ein „Ticketfahrzeug“, um mit einem gültigen Parkticket in ein Parkhaus hinein- und wieder herauszukommen. Dort brachen sie ein vorher ausbaldowertes Auto auf und ließen das Ticketfahrzeug zurück. Um nicht aufzufallen, bevorzugte die Bande dafür Mittelklassewagen wie Mercedes 200 oder Audi A6. Die wertvollere Beute wurde in abseits gelegene Scheunen und Hallen gebracht, dort mit neuen Fahrgestellnummern versehen und dann sofort auf die Reise nach Russland oder die Ukraine geschickt. Damit die Autos an der Grenze nicht auffallen, waren vorher falsche Fahrzeugscheine und Nummernschilder hergestellt worden.

Am 11. Dezember reisten die 28, 32 und 39 Jahre alten Polen wieder einmal nach Deutschland ein. In den sechs Tagen bis zu ihrer Festnahme suchten sie in Berlin, Hamburg, Hannover und Leipzig nach Beute. Unklar ist, wieso sie am Flughafen Tegel auch den S–Klasse-Mercedes eines polnischen Diplomaten aufbrachen. Sie stahlen nur eine Tasche und einen Mantel, vermutlich, um an Diplomatenpässe heranzukommen.

Nach Angaben der Kölner Polizei sollen die drei Polen die ersten Ganoven gewesen sein, die sich an einem Maybach versuchten. Von der Luxuslimousine hat Daimler-Chrysler bislang nur gut fünfzig in Deutschland verkauft – als Einzelanfertigungen auf Kundenwunsch.

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