Berlin : Den Schleier der Sicherheit erfolgreich ausgeworfen

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Von Jörn Hasselmann

Ein großer Stein fiel den 10 000 beim Bush-Besuch eingesetzten Polizisten gestern gegen halb Vier vom Herzen – der, der bei Jürgen Schubert am Abend fiel, mag Tonnen gewogen haben. „Ich bin mehr als zufrieden“, sagte der Leitende Polizeidirektor, der für die Sicherheit rund ums Adlon zuständig war. Es habe nicht die geringste Störung beim Bush-Besuch gegeben – das sei das Wichtigste. Auch die von Autonomen und Militanten im Internet angekündigten „dezentralen Aktionen“ hätten verhindert werden können, keinem Bush-Gegner sei es gelungen, in den Sicherheitsbereich in Mitte einzudringen. Schubert sagte dem Tagesspiegel, dass die Beamten rund um das Adlon 18 000 Zugangsberechtigungen kontrolliert hätten – bei einer solch hohen Zahl sei es immer möglich, dass ein Beamter mal einen Fehler mache „und jemand durchschlüpft“. Zuletzt beim Bundeswehr-Gelöbnis im Juli 2000 hatte die Szene bewiesen, dass sie zu Überraschungen immer gut ist: Trotz strengster Kontrollen war es einem Dutzend Störer gelungen, mit gefälschten Einladungen auf den Appellplatz zu gelangen und die Zeremonie massiv zu stören. Schubert erinnerte auch an den peinlichen Vorfall beim letzten Besuch des US-Präsidenten Clinton: Damals war ein Mann, der sich in den Journalistenpool geschmuggelt hatte, direkt nach der Landung der Air Force One über das Flugfeld und die Gangway hoch gelaufen. „Da waren wir im Vorfeld schon besorgt“, sagte Schubert. Auch bei den Demonstrationen habe man schlimmere Befürchtungen gehabt. Das was sich am Mittwochabend vor dem Berliner Dom zugetragen hat, sei „im Vergleich mit Göteborg und Genua doch akzeptabel“, sagte der Polizeiführer. Erschwerend sei hinzugekommen, dass es noch weit wärmer gewesen sei als am 1. Mai – Hitze gilt nicht nur als schweiß-, sondern vor allem als krawalltreibend. Die Polizei hatte in der Nacht zu Donnerstag 58 Randalierer im Anschluss an die weitgehend friedlich verlaufene Anti-Bush-Demo festgenommen. Vier Polizisten mussten wegen Verletzungen ihren Dienst abbrechen. Die Zahl der verletzten Demonstranten ist nicht bekannt, beobachtet wurden mindestens zehn von Rettungswagen abtransportierte Schwerverletzte. Einige waren von Flaschen und Steinen aus den eigenen Reihen getroffen worden, andere sollen laut Zeugenaussagen von Polizisten verletzt worden sein. Nach Angaben der Polizei hatten am Mittwochabend 18 000 Menschen gegen Bush demonstriert, die Veranstalter sprachen von mehreren Zehntausend. Die Randale hatte anschließend gegen 20.35 Uhr begonnen. 200 Vermummte versuchten, die Absperrung an der Schlossbrücke in Richtung Westen zu überwinden – doch angesichts der massiven Sperren vergeblich. „Mit Gewalt kommen die hier nicht durch“, hatte Einsatzleiter Michael Knape Minuten vor dem Autonomen-Angriff auf der Schlossbrücke konstatiert – und Recht behalten. Und die außergewöhnliche Polizeipräsenz Stadt habe den Mut der Militanten ebenfalls gedämpft. Schon um 1 Uhr nachts hatten Kehrmaschinen der BSR Schlossplatz und Linden von Wurfgeschossen – Pflastersteine und Bierflaschen – befreit. Die Kritik eines am Berliner Dom eingesetzten Beamten, dass dort zu wenig Polizisten eingesetzt gewesen seien – so konnten von Randalierern gelegte Feuer in den Grünanlagen nur mit Verzögerung gelöscht werden – ist für die Polizei lediglich eine Marginalie angesichts der erfolgreichen Koordination von 10 000 Beamten .

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