Berlin : Denkmal: Der Zaun um den "Kommentar" ist gefallen

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Der kleine Platz vor dem Bundesfinanzministerium scheint nun fertig zu sein: Der störende Zaun um das Denkmal für die Teilnehmer am Volksaufstand vom 17. Juni 1953 wurde abgebaut, und freudig betrachtet Wolfgang Rüppel sein Werk. Es zeigt auf einem vergrößerten Bildausschnitt marschierende Bauarbeiter, die sich eingehakt haben und so - wie damals in der Stalinallee - machtvoll Entschlossenheit zum Streik gegen Normerhöhungen und für ein freieres Leben demonstrieren. Die aus drei Scheiben schusssicherem Verbundglas bestehende, in die Erde eingelassene Bildplatte ist 24 Meter lang - wie das 1953 entstandene Wandbild von Max Lingner in der dem Denkmal gegenüberliegenden Säulenhalle vom einstigen "Haus der Ministerien" der DDR. "Mein Werk ist ein Kommentar zu Lingner", sagt Wolfgang Rüppel. Dort die auf Meißner Kacheln gebrannte Wunschvorstellung vom frisch-fromm-fröhlich-freien Volk auf freiem Grund, hier die Realität von 1953: Ein Protest, der mit Hilfe sowjetischer Panzer niedergeschlagen wurde. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis an diesem historischen Ort des Massenprotestes an der Ecke Leipziger- und Wilhelmstraße an den ersten Volksaufstand in einem sozialistischen Land mit einem Denkmal erinnert wurde. Und dennoch gibt es einen Wermutstropfen. Eine Firma hat beim Legen der österreichischen und italienischen Steinplatten um das Denkmal gepfuscht. "Das, was bestellt war, ist nicht gebaut worden", sagt das Bundesbauamt. Im Frühjahr werden die Mängel beseitigt, schlecht geklebte Platten ausgetauscht. Aber einen Zaun um das Denkmal soll es nie wieder geben.

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