Berlin : Denkmal für die Einheit soll 2009 fertig sein

Debatte über Erinnerung an die Jahre 1989/90

Michael Zajonz

Kann ein Denkmal für die deutsche Wiedervereinigung zugleich an die friedliche Revolution in der DDR, den Mauerfall und den 3. Oktober 1990 erinnern? Genau 17 Jahre nach dem Mauerfall diskutierten gestern im Festsaal des Roten Rathauses der Berliner Theologe Richard Schröder, Lothar de Maizière, letzter Ministerpräsident der DDR, und der französische Publizist und Deutschland-Experte Alfred Grosser mit dem ARD-Journalisten Jürgen Engert über Ort und Zweck eines „Nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmals“ in Berlin. Eingeladen hatte die Deutsche Gesellschaft e. V.

Schröder bezog sich in seinem Einleitungsvortrag auf die Vorgeschichte des 1998 angeregten Denkmalprojekts, das 2000 zu einem überparteilichen Gruppenantrag im Bundestag geführt hatte und damals mit eher pragmatischen Argumenten abgelehnt worden war. Das geplante Denkmal soll nach dem Willen der nun neu formierten Denkmalinitiative auf den Fundamenten des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. an der Schlossfreiheit errichtet und möglichst am 9. November 2009 eingeweiht werden. An diesem Tag jährt sich der Höhepunkt der friedlichen Revolution in der DDR zum 20. Mal. Das geplante Denkmal soll, so Schröder, „kein Ort des Helden- oder Opfergedenkens, sondern ein Denkmal des Vergnügens“ werden.

Die anschließende Podiumsdiskussion und erst recht die Reaktionen aus dem Publikum relativierten Schröders Optimismus. Von geteilter Erinnerung und Erfahrung war da die Rede, und von der Ungewissheit, ob sich die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung an einem zentralen Ort darstellen lässt. Alfred Grosser erinnerte daran, dass es zwei verschiedene Dinge seien, „diejenigen zu loben, die 1989 die deutsche Freiheit erkämpft haben, und sich darüber zu freuen, nun in Freiheit vereint zusammen zu sein.“ Wie ein Denkmal für eines der glücklichsten Momente deutscher Geschichte aussehen könnte, darüber wird noch viel zu diskutieren sein.

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