Denkmalförderung in Brandenburg : Sanierten Kirchen droht der Verfall

Viele Kirchen in Brandenburg sind nach 1990 saniert worden. Doch nun droht vielen von ihnen erneut der Verfall.

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Im vorigen Jahr gab Brandenburg nach Angaben der zuständigen Ministerien für Kultur und Bauen aus diversen Programmen insgesamt 35,8 Millionen Euro für Denkmalschutz aus.
Im vorigen Jahr gab Brandenburg nach Angaben der zuständigen Ministerien für Kultur und Bauen aus diversen Programmen insgesamt...Foto: Andreas Klaer

Es sei vielleicht nur ein Dachziegel, „der nach dem Sturm ersetzt werden muss, damit wir nicht in ein paar Jahren wieder Millionen ausgeben müssen“. Mit diesen Worten hat Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg am Mittwoch in Potsdam davor gewarnt, dass bereits sanierten Dorfkirchen nun erneut der Verfall droht. „Das Problem ist die dauerhafte Pflege.“ Dabei habe es Brandenburg nach 1990 anders als andere ostdeutsche Länder geschafft, dass keine einzige der baufälligen Kirchen abgerissen werden musste, sagte Drachenberg.

Nun aber kommt es immer häufiger vor, dass Pflege und Erhaltung unterbleiben, sich niemand mehr kümmert. „Man verfällt in einen Ruhestand.“ Und das hat Gründe. So gebe es inzwischen in einigen Dörfern etwa der Uckermark oder der Prignitz keine aktive Kirchgemeinde mehr, Kirchbauvereine hätten inzwischen zumeist über 80-jährige Mitglieder oder hätten sich gar aufgelöst. Da müssten „neue Strukturen gefunden werden“, sagte Drachenberg. „Es geht jetzt um die Frage, wer die sanierten Gebäude pflegt.“

Brandenburg gab im Jahr 2016 25,8 Millionen für Denkmalschutz aus

Insgesamt aber hat sich die Denkmalförderung im Land, das dabei jahrelang Schlusslicht war, spürbar verbessert. Im vorigen Jahr gab Brandenburg nach Angaben der zuständigen Ministerien für Kultur und Bauen aus diversen Programmen insgesamt 35,8 Millionen Euro für Denkmalschutz aus, 2015 waren es 33 Millionen Euro. Erstmals richtig bewährt hat sich laut Drachenberg dabei die neu geschaffene Denkmalhilfe. Aus dem Topf, 2016 gefüllt mit 500.000 Euro, kann das Landesdenkmalamt sofort nötige Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen oder archäologische Grabungen fördern. 2017 steht gar eine Million Euro zur Verfügung.

Um im Bundesvergleich von den hinteren Plätzen wegzukommen, den Hinweis vergaß der Landeskonservator nicht, müsste Brandenburg aber nach seinen Worten noch weiter zulegen. Im Land Brandenburg gibt es rund 13.000 eingetragene Denkmäler, und es werden mehr.

Drachenberg bestätigte, dass das Landesdenkmalamt aktuell in Bernau prüft, zwei für die DDR-Stadtsanierung typische Plattenbauten in der Innenstadt unter Schutz zu stellen. Eine Premiere sei das aber nicht, so der Landeskonservator. „Und wir haben auch kein Aktionsprogramm: Stellt die Plattenbauten unter Schutz!“

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