Denkmalpflege : Historische Grabmäler sollen saniert werden

Das Landesdenkmalamt will über eine Internet-Kampagne Spender für etwa 100 historisch bedeutende Grabmale finden. Die Kosten für die Restaurierungsarbeiten schwanken von Grab zu Grab erheblich.

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Auf dem Jüdischen Freidhof in Weißensee wird bereits eine Reihe Grabmale samt der stützenden Friedhofsmauer saniert.
Auf dem Jüdischen Freidhof in Weißensee wird bereits eine Reihe Grabmale samt der stützenden Friedhofsmauer saniert.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Auch wenn diese Schätze sichtbar über der Erde liegt, müssen sie vielerorts noch entdeckt werden: In Berlin gibt es zahllose verfallene, verwahrloste und nicht gepflegte alte Grabmale, viele davon von historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung. Die neue Kampagne des Landesdenkmalamts „Berliner Grabmale retten“ möchte mit einem großen kostenlosen Friedhofsführer und über die Internetseite www.berliner-grabmale-retten.de Spender, Paten und Mäzene für 100 ausgewählte restaurierungsbedürftige Grabstätten auf 20 Berliner Friedhöfen finden. Darunter sind unter anderem der Luisenkirchhof I in Charlottenburg, der Friedhof Sophien II in Mitte, die Jüdischen Friedhöfe an der Schönhauser Allee und in Weißensee sowie der Alte St. Matthäus- und der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg. Die Initiative wird von Kulturstaatssekretär André Schmitz, der Kulturstiftung der Länder und der Charlotte-Böhme-Roth-Stiftung unterstützt.

„Wir hätten noch viel mehr Grabmale vorstellen können, so groß ist leider auf über 1000 Hektar Friedhofsflächen der Bedarf in der Stadt“, sagte Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im Berliner Rathaus. Historische Friedhöfe seien nicht nur Orte der Stille, der Schönheit und auch des Verfalls, sie hätten zugleich auch die Qualität von Museen. Ausgewählt wurden Ehrengrabstätten historischer Persönlichkeiten wie Friedrich Spielhagen, Franz Gustav Duncker und August Neander sowie kulturgeschichtlich bedeutende Grabmale.

Außerdem wurde darauf geachtet, sowohl bezüglich der Stilepochen als auch des zu erwartenden Restaurierungs- und Finanzierungsbedarfs ein möglichst breites Spektrum abzudecken. So kann manche Grabplatte bereits für 800 Euro gereinigt werden, an anderer Stelle braucht es einige oder etliche tausend Euro, um ein marodes Grabmal zu restaurieren. Nach oben sind die Grenzen offen – die Restaurierung eines ganzen Mausoleums kann mit 200 000 Euro zu Buche schlagen. Doch auch für eine bestimmte Grabstätte nur einen kleinen Betrag zu spenden, ist möglich. Auf der Internetseite können die Grabmale nach Kostengruppen, Baustilen und -arten sowie nach Bezirken durchsucht werden. In einigen Fällen ist die Übernahme einer Patenschaft auch mit dem Recht verbunden, sich an der ausgewählten Stätte beisetzen zu lassen.

Erste Grabanlagen wie eine Jugendstil-Grabstele auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee haben bereits Unterstützer gefunden: Der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz hat Spenden für die Gräber der Dichterin Charlotte von Kalb und des Berliner Altphilologen Karl Lachmann gesammelt. Außerdem wird eine Doppelgrabstätte von Angehörigen restauriert, die erst durch den neuen Friedhofsführer auf ihre Familiengräber aufmerksam wurden. Das Buch trägt den Titel „Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte“ und ist über die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg (Tel. 258 185-340/-450) zu beziehen. Die 100 Grabmale werden darin auf über 200 Seiten mit ausführlichen Texten, vielen Fotos und samt Lageplänen vorgestellt. Damit ist der Führer zugleich ein zwar nicht ganz leichter aber informativer Begleiter für den nächsten Friedhofsspaziergang durch die Geschichte Berlins.

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