Denkmalpflege in Berlin : Stabi bekommt Blechmantel

Ein Teil der Staatsbibliothek am Kulturforum hat für zehn Jahre eine provisorische Fassade aus Blech erhalten. Die Verhüllung soll der Denkmalpflege dienen. Manche sehen sie als „unerträgliche Bausünde“.

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Verpackt. Zehn Jahre lang soll das Iberoamerkanische Institut in der Stabi so aussehen.
Verpackt. Zehn Jahre lang soll das Iberoamerkanische Institut in der Stabi so aussehen.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Fassadenhüllen gehören zur Berliner Baustellenkultur. Die Gedächtniskirche verschwindet seit Jahren hinter einer zweiten Haut, die eher auf einen Büroturm schließen lässt. Das Brandenburger Tor war mal Werbefläche für die Telekom. Am Leipziger Platz ersetzen die Hüllen gar die Bauten selbst. Das ist ärgerlich, aber geht auch vorüber.

Oder nicht? Bei der Sanierung der Staatsbibliothek am Kulturforum wird jetzt ein neuer Verhüllungsrekord aufgestellt: Zehn Jahre lang soll das Iberoamerikanische Institut, der südliche Teil des denkmalgeschützten Scharoun-Baus, hinter eine Blechhülle verschwinden. Dabei wird hier gar nicht saniert. Es geht nur um eine Sicherungsmaßnahme, weil die eigentliche Fassade aus Naturstein brüchig geworden ist.

Der neue Lesesaal der Staatsbibliothek
Meister-Saal. Architekt HG Merz entwarf den neuen zentralen Lesesaal für die Staatsbibliothek Unter den Linden als kubischen Lichtkörper. Von außen milchig-weiß leuchtend, dominieren im Innenraum warme orange-rote Farben und Holztöne. Unter der Decke des Lesesaals hängt – als Kunst am Bau – eine Papierskulptur von Olaf Metzel.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Thilo Rückeis
10.12.2012 21:18Meister-Saal. Architekt HG Merz entwarf den neuen zentralen Lesesaal für die Staatsbibliothek Unter den Linden als kubischen...

Darf man zehn Jahre lang ein Denkmal verhüllen? Landeskonservator Jörg Haspel gibt sich am Telefon zerknirscht. „Wir haben der Baumaßnahme als Notsicherung zugestimmt.“ Die Verkleidung mit Aluminiumplatten sei „alternativlos“. Die Natursteinplatten drohten abzustürzen, teilt das Bundesamt für Bauwesen mit, eine Sanierung des Gebäudes sei aber derzeit nicht vorgesehen. Das Provisorium soll 1,5 Millionen Euro gekostet haben und maximal zehn Jahre halten. Kritiker befürchten, dass es sich stillschweigend zur Dauerlösung entwickelt. Genährt wird dieser Verdacht durch die Tatsache, dass die Blechhülle fest mit der Steinfassade verschraubt ist, als Provisorium also gar nicht erkennbar ist. Das Problem einer trügerischen Scheinfassade hätte man mit einer Hinweistafel aus der Welt schaffen können, aber diese Tafel gibt es nicht.

Verhüllte Stabi am Kulturforum ruft Proteste hervor

Die Scharoun-Gesellschaft protestiert scharf gegen diese „unerträgliche Bausünde“ an einer „Ikone der Architektur“. Ein Schreiben an den Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses verpuffte aber weitgehend wirkungslos. Die Abgeordneten sind mit anderen Problemen beschäftigt: Staatsoper, Staatsbibliothek Unter den Linden, Humboldtforum und mehr. Auch die Stabi selbst protestiert nicht gegen die Verblechung ihrer Fassade. Tenor: Gibt Schlimmeres. Selbst die Nutzer hätten sich nicht beschwert, sagt eine Sprecherin.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der das Haus gehört, teilt mit, von einer Bausünde könne schon deswegen keine Rede sein, weil das Landesdenkmalamt die Einhausung ja genehmigt habe. Die künftige Sanierung der Natursteinfassade bedürfe eines gründlichen planerischen Vorlaufs. Schon deshalb habe man sie nicht vorziehen können.

Die Blechplatten schimmern in einem matten Grün. Kein Graffito stört die glatten Oberflächen. Bei der Farbgebung habe man sich mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt, erklärt das Bundesamt für Bauwesen. Zehn Jahre sind halt doch eine lange Zeit. Nur zum Vergleich: Der Reichstag durfte 1995 nur zwei Wochen lang verhüllt werden.

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