Denkmalschutz : Friedhofspaten gesucht

Potsdams bekanntester historischer Friedhof in Bornstedt wird zunehmend zum Ort des Verfalls. Mit der Vergabe von Patenschaften für Gräber soll der Ruin des Friedhofes gestoppt werden.

Potsdam - Rost frisst sich durch die Rosetten der schmiedeeisernen Grabumzäunungen von Architekten und Gelehrten, die einst in unmittelbarer Nachbarschaft am Königshof von Sanssouci dienten. Teilweise halten nur noch Efeuranken die maroden Ziegelsteine der Einfassungen zusammen. Es würde Millionen kosten, die 400 Jahre alte Begräbnisstätte zu restaurieren. Geld, das die Evangelische Kirchengemeinde als Trägerin nicht aufbringen kann. Mit einem neuen Sanierungskonzept soll dem Verfall dennoch Einhalt geboten werden.

"Wir wollen Patenschaftsgräber vergeben", sagt Diplom-Religionspädagogin Jutta Erb-Rogg, die im Gemeindekirchenrat die Erhaltung des Friedhofs zu ihrer Aufgabe gemacht hat. Mit der Auflage zur denkmalgerechten Sanierung der Grabstätte erwirbt der Sponsor auch das Nutzungsrecht der Stelle für die kommenden 30 Jahre. Die Kosten belaufen sich auf etwa 12.000 Euro pro Grab für Metall- und Steinrestaurierung sowie für die Nivellierung der zum Teil stark eingesunkenen Grabflächen.

Während die Ruhestätten von Friedrich Ludwig Persius (1803-1845), dem Architekten König Friedrich Wilhelms IV., und von Landschaftsgestalter Peter Josef Lenné (1789-1866) noch keinen Anlass zur Sorge geben, liegen wenige Grabreihen entfernt die Sanierungsfälle dicht beieinander.

Von den knapp 600 historischen Gräbern müssen etwa die Hälfte sehr rasch vor dem Verfall bewahrt werden. "Wir haben die dringendsten Fälle per Computer erfasst und zusammen mit Architekten und Bauleuten Kostenvoranschläge erarbeitet", sagt Jutta Erb-Rogg. Diese Vorbereitung soll den Friedhofspaten bei ihrem Engagement im Denkmalschutz helfen. Denn die Zeit drängt. "In fünf Jahren werden viele Gräber so kaputt sein, dass sie nicht mehr zu restaurieren sind", sagt sie.

"Was in Sanssouci stirbt, wird in Bornstedt begraben"

Die Kirchengemeinde hat sich die Idee mit den Patenschaften von Friedhöfen in Köln und Berlin abgeschaut. Praktiziert wurde sie aber schon vor mehr als 50 Jahren auf dem eigenen Kirchhof. Otto Meermann, der letzte Hofgärtner von Sanssouci, pflegte zeitlebens die Stelle, an der er dann 1957 selbst beigesetzt wurde. Auch für sein Grab werden nun Paten gesucht.

Ein paar Meter neben Meermanns letzter Ruhestätte zeigt das Patenschaftskonzept bereits erste Ergebnisse. Eine Potsdamer Familie hat die Sanierung einer alten Grabstätte übernommen und dort vor kurzem auch einen Angehörigen beigesetzt. Das Original-Hochkreuz aus weißem Carrara-Marmor befindet sich derzeit beim Restaurator und wird künftig die Namen beider Verstorbener tragen. Auch eine Nachfahrin der Familie, aus der Potsdams Flugpionier Werner Pietschker stammte, hat den Patenschaftsgedanken noch kurz vor ihrem Tod aufgegriffen. Heute ist sie neben dem Familiengrab der Pietschkers beigesetzt.

Jutta Erb-Rogg erhofft sich von der Patenidee nicht nur Hilfe für den Friedhof. "Die Grabsteine erzählen Potsdamer Geschichte", sagt sie. Der Erhalt der steinernen Zeitzeugen gebe den Potsdamern die Möglichkeit, sich intensiver mit der Historie der Stadt auseinanderzusetzen.

Während Theodor Fontane den Satz prägte "Was in Sanssouci stirbt, wird in Bornstedt begraben", wüssten nur die wenigsten Potsdamer, dass dieser Ausspruch seine Gültigkeit verloren habe. Heute könne sich jedermann in Bornstedt beerdigen lassen. Zum "Tag des Friedhofs" am 17. September will die Kirchengemeinde deshalb das Patenschaftskonzept erstmals öffentlich vorstellen. (tso/ddp)

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