Berlin : Denkmaltag: Backsteinschulen und Reform-Pavillons

Markus Engelhardt

Aus 230 Angeboten können die Besucher des Tags des offenen Denkmals von 7. bis 9. September wählen. Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Thema "Schule als Denkmal - Denkmal als Schule: Jugend und Kulturgewerbe". 80 Denkmale, darunter mehr als 30 Schulen, bieten Führungen und Ausstellungen an. "Berlin ist eine Stadt des öffentlichen Schulbaus, wo sich die Entwicklung dieser kommunalen Bauaufgabe im Stadtbild noch wunderbar ablesen läßt", sagte Senatsbaudirektor Hans Stimmann zum Programm. Von 1850 bis 1910, als die Bevölkerungszahl in Berlin explodierte, gab es einen Schulbauboom in der Stadt.

Drei Beispiele präsentierten Stimmann und Landeskonservator Jörg Haspel im Vorfeld. Ein typisches Exemplar der zahlreichen Backsteinschulen in der Stadt ist das ehemalige Leibniz-Gymnasium (heute Nürtingen-Grundschule) in der Kreuzberger Luisenstadt von Stadtbaurat Hermann Blankenstein. Vor 125 Jahren erbaut, verfügt die Schule aus der Gründerzeit des Schulbaus noch heute über eine tadellose Fassade aus orangenem Backstein mit Fensterbögen und Terrakotten. Wegen ihrer schlichten Wirkung war dieser Typ bereits im 19. Jahrhundert als "Schulkaserne" verrufen, in denen preußischer Drill praktiziert wurde. Die Schüler und Lehrer der Nürtingen-Grundschule haben, wie auch in zahlreichen anderen Schulen, im Unterricht eine Ausstellung zur Geschichte des Gebäudes erarbeitet.

Einen Gegensatz dazu bildet der 1928 erbaute Schulpavillon von Bruno Taut am Neuköllner Dammweg. "Die architektonische Antwort auf den gründerzeitlichen, wilhelminischen Schulbau", erklärt Haspel. Zwischen Hochhäusern und Schrebergärten versteckt gelegen, dürfte er die Besucher überraschen. Der Pavillon ist ein bedeutendes Zeugnis der Reformarchitektur der 20er Jahre: Ein kleines, quadratisches Gebäude inmitten eines Schulgartens für den theoretischen Unterricht angehender Landschaftsgestalter. In dem lichtdurchfluteten Klassenzimmer gibt es keine vorgegebenen Richtungen, da der Frontalunterricht in dieser Zeit verpönt war. Fast wäre der Pavillon, der als Muster für 200 weitere geplant war, abgerissen worden, doch "eindrucksvolles Engagement von Schülern, Lehrern und Lehrlingen hat das verhindert", sagte Haspel.

Sicherlich einer der Höhepunkte des kommenden Wochenendes ist das 1988 stillgelegte Abspannwerk Buchhändlerhof an der Mauerstraße in Mitte, besser bekannt als ehemaliger Techno-Tempel E-Werk. Nicht direkt ein Beitrag zum Schwerpunktthema, wie Haspel zugibt, doch sei letztlich die junge Generation dafür verantwortlich gewesen, dass 1990 aus der Ruine die bekannteste Adresse der Berliner Techno-Szene wurde. Andererseits sei das Abspannwerk von Architekt Hans Müller ein bedeutendes technisches Denkmal mit einer unverwechselbaren Architektur. Blickfang der Anlage ist die kreisförmig angelegte, abgestufte Warte, deren Fassade an Fachwerkbauten erinnert. In zwei Jahren wird ein Informatik-Unternehmen in den historischen Mauern von 1928 seine Zentrale eröffnen. Imposant auch die alte Schaltzentrale des Werks, die nach Plänen der Architekten original erhalten bleiben soll. Vier Mitarbeiter der Bewag hatten dort gearbeitet. Nach dem Umzug werden es im Jahr 2004 dann 450 sein.

Als weitere Höhepunkte empfiehlt Haspel, der wieder auf viele Besucher wie in den Vorjahren hofft, den Garten der Erinnerung im Hof der Technischen Universität, das ehemalige Joachimstalsche Gymnasium in Wilmersdorf oder das Italienhaus der Hitlerjugend in Spandau. Die drei Tage des offenen Denkmals werden am Freitag, dem 7. September in der Max-Taut-Schule in Lichtenberg eröffnet. Dabei soll die Frage "Ausbildung von morgen in Gebäuden von gestern - Hightech contra Denkmal?" diskutiert werden. Der Eintritt ist frei.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben