Berlin : Denn sie wussten, was sie tun

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Ein Führer zu Gräbern berühmter Frauen Das Grab ist nicht ganz einfach zu finden, die kleine Steinplatte schon ein wenig eingesunken, die Inschrift aufs Nötigste beschränkt: „ulrike marie meinhof 7.10.1934 – 9.5.1976“. Ein einsamer Ort, an dem die vom Journalismus zum Terrorismus übergewechselte Frau ihre letzte Ruhestätte fand. Auch sie hat die Autorin Rosemarie Köhler in ihre „Berliner Friedhofsspaziergänge zu Grabstätten außergewöhnlicher Frauen“ aufgenommen – „Frauen, die mutig und tapfer ihren Weg gingen, die wussten, was sie wollten und ihrer Zeit voraus waren“, wie es im Vorwort heißt. Besonders am letzten Kriterium mag sich bei Ulrike Meinhof mancher stören, auch Frauen wie Tucholskys Mutter Doris, eine beziehungsunfähige, autoritäre Frau, oder die schöne Architektin Sigrid Kressmann- Zschach können kaum als Vorbilder fortschrittlicher Weiblichkeit empfohlen werden.

Doch gerade dieses lockere Auswahlverfahren macht das Buch zur spannenden Lektüre, in der sich ein Revuestar zwischen einer Widerstandskämpferin und einer Politikerin findet, zufällig auf demselben Friedhof begraben. 47 Schicksale bekannter und weniger bekannter Berliner Frauen werden so, nach Begräbnisstätten sortiert, dem Leser nahegebracht, in einer meist von Sympathie geprägten, doch erfreulich schnörkellosen Sprache, zu dem der recht pathetische Titel – „Sie lebten wie sie wollten“ – nicht recht passen will. ac

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