Berlin : Depardieu soll Babelsberg wachküssen

Fast sieben Monate lang wurde in den Studios kein großer Streifen mehr gedreht. Nun wird die Märchenadaption „Die Schöne und das Biest“ verfilmt.

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Wiederholungstäter. Bereits 1994 drehte Gérard Depardieu in Babelsberg, damals den futuristischen Krimi „La Machine“. Auch danach war er wiederholt dienstlich in Berlin und Brandenburg, so warb er 2010 in Kreuzberg für einen Perlwein aus eigener Produktion. Foto: ddp
Wiederholungstäter. Bereits 1994 drehte Gérard Depardieu in Babelsberg, damals den futuristischen Krimi „La Machine“. Auch danach...Foto: ddp

Potsdam - Großes Kino hat Studio Babelsberg in diesem Jahr noch nicht gemacht. Seit knapp sieben Monaten stehen die Filmateliers in Potsdam leer. Doch jetzt soll Frankreichs Filmheiligtum Gérard Depardieu den 100-jährigen Traditionsstandort wieder zum Leben erwecken: Im Oktober wird der 63-jährige Depardieu mit den Schauspielern Léa Seydoux – sie bezauberte im Berlinale-Eröffnungsfilm „Leb wohl, meine Königin!“ – und Vincent Cassel für eine Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ vor der Kamera stehen. Regie führt Christophe Gans, produziert wird der Film vom französischen Medienkonzern-Joint-Venture Pathé-Gaumont.

Für die Studio Babelsberg AG, die sich als Generalübernehmer im Filmgeschäft versteht, ist es immens wichtig, dass mit „Die Schöne und das Biest“ auf dem Gelände wieder gedreht wird. Zwar ist das Unternehmen mit rund 90 fest angestellten Mitarbeitern durchaus auf zeitweiligen Leerstand der Filmateliers eingerichtet. Doch ohne Drehs für großes Kino, so hatte Studio-Chef Carl L. Woebcken jüngst erneut betont, müsse das Studio sich die Frage stellen, wie überlebensfähig es als Kino-Produktionsstandort ist.

Dabei hängt Babelsberg am Tropf der Filmförderung: Insbesondere für die US-Filmstudios, die auch als Produzenten auftreten, spielt bei einer Standortentscheidung das Geld meist die wichtigste Rolle. Nach Deutschland, und damit nach Babelsberg, lockt die Produzenten vor allem der Deutsche Filmförderfonds (DFFF), von dem das Studio bereits deutlich profitiert hat. So kamen Filme wie im vergangenen Jahr „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“, „Anleitung zum Unglücklichsein“ und „Cloud Atlas“ mit Tom Hanks und Halle Berry nach Babelsberg. Der DFFF umfasst 60 Millionen Euro pro Jahr, ein Film kann mit bis zu zehn Millionen Euro gefördert werden.

Das reicht aus Sicht der Babelsberger aber nicht, denn bei Budgets von 100 Millionen Euro sei dies ein verhältnismäßig kleiner Anteil. So habe die Fördergrenze immer wieder und zuletzt auch in diesem Jahr dafür gesorgt, dass Babelsberg Filme an andere europäische Produktionsstandorte verloren habe, sagt Studio-Vizechef Christoph Fisser. Damit sich das ändert, hat Studio Babelsberg jetzt das bereits angekündigte England-Modell aufgelegt, bestätigte der Studio-Vizechef. Damit soll es großen Produzenten möglich sein, für einen Film nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien Förderung zu bekommen. Nach Ansicht der Babelsberger ein wegweisender Schritt, um sich im internationalen Filmgeschäft zu behaupten. „Wir werden vielleicht bald eine Produktion bekommen, bei der wir das Konstrukt anwenden können“, so Fisser. Er war jüngst mit Woebcken nach Los Angeles gereist, um dort Aufträge zu werben.

Depardieu drehte bereits vor 18 Jahren in Babelsberg, Léa Seydoux spielte eine Rolle in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, die 2009 im Potsdamer Studio entstanden. Vincent Cassel, bekannt aus „Black Swan“, kündigte in einem Interview bereits an, die Dreharbeiten für „Die Schöne und das Biest“ würden sehr aufwendig werden. Regisseur Gans – er drehte mit Cassel schon „Pakt der Wölfe“ und zuvor den Horrorfilm „Silent Hill“ – plane zahlreiche computeranimierte Szenen. Es werde viele Spezialeffekte geben, „ähnlich wie bei ,Avatar’“, verriet Cassel. Er soll den verwunschenen Prinzen spielen, Seydoux die schöne Belle und Depardieu ihren Vater. Der Filmklassiker zum französischen Märchen „La belle et la bête“ aus dem Jahr 1946 stammt von Regisseur Jean Cocteau, es folgten zahlreiche Remakes und 1991 der bekannte Disney-Zeichentrickfilm. Vergangenes Jahr lief eine moderne Version mit Vanessa Hudgens in den Kinos, ebenfalls noch in diesem Jahr will Kult-Regisseur Guillermo Del Toro das Märchen verfilmen – unter dem Titel „Beast“ und mit „Harry Potter“-Star Emma Watson als Belle.

Unterdessen hat Studio Babelsberg sich zum 1. Juli von seinem berühmten Kostümfundus getrennt. Der schon bisher selbstständig arbeitende Bereich gehört jetzt zum benachbarten Vergnügungsthemenpark „Filmpark Babelsberg“ unter Führung von Friedhelm Schatz und Matthias Voß. Nachdem Studio und Filmpark lange als zerstritten galten – und sich beispielsweise über die Feier zum 100-jährigen Jubiläum des Standortes nicht einig wurden – habe man sich nun partnerschaftlich geeinigt, hieß es.

Selbstverständlich werde der Kostümfundus, in dem mehr als 250 000 Kostüme aller Epochen sowie im Maskenstudio eine der größten Sammlungen an Haarteilen lagern, weiterhin Babelsberger Produktionen ausstatten, so das Studio. Die Studio Babelsberg AG profitiert von dem Deal, weil sie damit offenbar Lagerkosten spart: Das Fundus-Grundstück gehört dem Filmpark, bisher zahlte das Studio dafür Pacht – die mit dem Verleih der Kostüme, einem Geschäft mit minimalen Margen, kaum zu erwirtschaften war. Im Gegenzug für den Kostümfundus hat das Studio zudem die Halle des Requisitenfundus, die ebenfalls auf Filmpark-Grund steht, „dauerhaft überlassen“ bekommen. Dieser Fundus soll weiterhin beim Studio verbleiben.

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