Berlin : Deponiegas schädigt Pflanzen in Marienfelder Grünanlage

Tobias Arbinger

Unter dem Freizeitpark Marienfelde brodelt es. Bis 1981 war das 37 Hektar große Gelände nahe der Stadtgrenze Mülldeponie der Berliner Stadtreinigung (BSR). Vier Millionen Kubikmeter Hausmüll wurden dort vor der Umgestaltung zur Grünfläche abgeladen. Dieser gärt nach wie vor. Vor allem im Süden des Parks tritt - für den Menschen in dieser Konzentration ungiftiges - Methangas aus und hinterlässt große braune Flecken auf dem Gras. In den nächsten Tagen wird eine Firma im Auftrag des Umweltamtes eine Messstation aufbauen, um genauen Aufschluss über die entweichende Gasmenge zu erlangen. Danach will man sich Gedanken machen, ob eine "gastechnischen Sanierung" des Parks notwendig ist. Möglicherweise muss es mit einer speziellen Anlage abgefackelt werden.

Das Gas trete "in hohen Konzentrationen aus", sagt die Leiterin des Tempelhofer Umweltamtes Corinna Conrad-Beck. "Auf Dauer kann man das so nicht lassen". Nach Angaben der BSR werden die organischen Abfälle in Hausmülldeponien noch 30 bis 40 Jahre nach der Stilllegung mikrobakteriell zersetzt. Das dabei entstehende Methangas sei nur für Pflanzen giftig. Es könne in einem bestimmten Mischungsverhältnis mit dem Sauerstoff der Luft ein "zündfähiges Gemisch" bilden, sagt Tjado Auhagen, bei der BSR für die Sanierung von Mülldeponien zuständig. Er gehe jedoch davon aus, dass in Marienfelde keine Gefahr bestehe, da der Boden nicht abgedichtet sei und das Gas überall nach außen treten könne. Sicherheitshalber wurden im Freizeitpark Schilder aufgestellt, nach denen Rauchen, Zelten, das Graben von Löchern sowie Grillen verboten ist. Nach der Parkordnung sei das ohnehin nicht gestattet, sagt Corinna Conrad-Beck.

Dass im Marienfelder Park überhaupt Gas entweicht, ist nicht völlig überraschend. In die Erdschicht, die über der Deponie liegt, wurden nach Angaben der BSR vor Jahren Absaugglocken vergraben. Bis vor einiger Zeit machte sich eine Tempelhofer Kakao-Firma das Methangas kommerziell zunutze. Nachdem die Konzentration einen bestimmten Brennwert unterschritt, habe die Firma mit dem Abpumpen aufgehört, heißt es. Seitdem sucht sich das Fäulnisgas offensichtlich selbst einen Weg ins Freie. Vier bis sechs Wochen soll die vom Bezirk bestellte Absauganlage nun testweise arbeiten. Was dann passiere, hänge von den Messergebnissen ab, sagt Frau Conrad-Beck. BSR-Mann Auhagen zufolge ist abzuwägen, ob eine Abfackelanlage installiert werden muss oder ob man das Gas weiter "diffus entweichen lassen kann".

In neuen Mülldeponien wird das Deponiegas nach Angaben von Tjado Auhagen schon während des Betriebes entsorgt. Einer neuen Richtlinie zufolge muss Siedlungsmüll zukünftig zudem schon vor der Lagerung so behandelt werden, dass kaum mehr Gas entsteht. Ähnliche Probleme wie in Marienfelde gibt es zurzeit in Wannsee. Bislang verwandelte eine Bewag-Tochter das auf der 1982 stillgelegten Müllkippe anfallende Deponiegas in Heizenergie. Seit der Methangasgehalt 30 Prozent unterschritten hat, lohnt sich das nicht mehr. Nun will sich die Bewag das Absaugen vom Forstamt Grunewald, dem Eigentümer des Geländes, bezahlen lassen.

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