• Der 15 Monate alte Sohn des SPD-Bundestagsabgeordneten René Röspel hatte am offenen Fenster gespielt

Berlin : Der 15 Monate alte Sohn des SPD-Bundestagsabgeordneten René Röspel hatte am offenen Fenster gespielt

Katja Füchsel

Nur wenige Augenblicke der Unachtsamkeit hatten ausgereicht: Der 15 Monate alte Sohn des Bundestagsabgeordneten René Röspel hörte im Wohnzimmer auf zu spielen, kletterte leise auf die Heizung vor dem geöffneten Fenster, verlor das Gleichgewicht und stürzte vom vierten Stock in die Tiefe. "Das Kind erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen", sagte ein Sprecher der Polizei.

Der SPD-Abgeordnete René Röspel war erst kürzlich in die "Wohnschlange" auf dem Moabiter Werder gezogen, die eigens für Abgeordnete und Bundesbedienstete geplant worden war. Direkt am Ende des Kanzlergartens gelegen, garantiert sie den Politikern kurze Wege zur Arbeit - und vom Wohnzimmer aus einen freien Blick auf die Spree. Denn die Rückseite des schlangenförmigen Gebäudes dominieren großflächige Fenster. Dem Sohn von René Röspel wurde am Donnerstagmorgen eines dieser Fenster zum Verhängnis.

Die Angaben der Polizei, dass das Fenster im Wohnzimmer 60 Zentimeter über dem Fußboden eingebaut wurde - vorgeschrieben ist im vierten Stock eines Wohnhauses eine mindestens 80 Zentimeter hohe Fensterbrüstung -, wies Architekt Georg Bumiller als "vollkommenen Blödsinn" zurück. Deshalb hält er es auch für ausgeschlossen, dass an der "Wohnschlange" in Sachen Sicherheit nun noch einmal nachgerüstet wird. "Von baulicher Seite ist alles einwandfrei", sagt Bumiller. Und fügt dann hinzu: "Man kann die Welt nicht so sicher machen, dass nichts mehr passiert."

Die Wohnungsbaugesellschaft "Deutschbau" bekundete zwar ihr "tiefes Bedauern" über den Vorfall, wollte gestern aber noch keine weiteren Angaben zu den Sicherheitsvorkehrungen in dem Unglückshaus machen. Viele der 718 Wohnungen stehen in der Anlage noch immer leer.

Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte sich die 34-jährige Mutter allein mit ihrem Kind in der Einzimmer-Wohnung des Bundestagsabgeordneten aufgehalten. Röspels Frau hatte gegen 9 Uhr 15 das Fenster zum Lüften geöffnet, während der Junge im Zimmer spielte. Nachdem sie kurz in die Küche gegangen war, kletterte der Junge dann auf den Heizkörper. Am frühen Nachmittag erinnerte im Innenhof der Anlage noch eine an die Mauer gelehnte Leiter an das Unglück. Das Kind war offenbar im gepflasterten Vorgarten des Souterrains aufgeschlagen und musste über die Mauer gehoben werden.

Die 34-jährige Mutter braucht nicht zu fürchten, dass die Polizei nun gegen sie ermittelt. "Anhaltspunkte für eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht liegen nicht vor", sagt ein Sprecher. Weitere Nachforschungen wären nur vorgenommen worden, wenn die Eltern die Wohnung bei offenen Fenstern verlassen hätten.

René Röspel zog 1998 für die SPD in den Bundestag ein. Vorher hatte der 35-Jährige in Dortmund und Bochum Biologie, später in Essen Ökologie studiert. Zuletzt arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der Tumorforschung. In die SPD ist der Politiker aus Hagen 1983 eingetreten.

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