• Der 49-jährige stellvertretende Filialleiter der Ziraat-Bank fiel möglicherweise einem gescheiterten Bankraub zum Opfer

Berlin : Der 49-jährige stellvertretende Filialleiter der Ziraat-Bank fiel möglicherweise einem gescheiterten Bankraub zum Opfer

Werner Schmidt

Bei der Tat gibt es bislang keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund - wollte ein dilettantischer Täter an die Tresorschlüssel des Opfers?Werner Schmidt

Durch mehrere Schüsse ist gestern Vormittag der stellvertretende Filialleiter der türkischen Staatsbank "Ziraat" an der Oranien- Ecke Adalbertstraße in Kreuzberg erschossen worden. Der oder die Täter fielen über den 49-jährigen Ümit Yilmaz her, als er gegen 8.45 Uhr über einen Nebeneingang von der Oranienstraße 177 aus das Geldinstitut betreten wollte. Als Yilmaz im Begriff war, die Tür des Personalzugangs aufzuschließen, stellte sich ihm offenbar der Täter in den Weg. Es kam zu einem lautstarken Wortgefecht, das andere Hausbwohner mitbekamen, dann fielen die Schüsse. Als der erste Helfer aus dem Haus bei dem sterbenden Yilmaz eintraf, war der Schütze bereits geflohen.

Um das Tatmotiv rankte sich gestern noch eine Vielzahl von Gerüchten. Einen politischen Hintergrund schließt die Polizei weitgehend aus, obwohl am Tatort auch davon gesprochen worden war, die militante kurdische Arbeiterpartei PKK stecke dahinter. Nach Auskunft der ermittelnden Mordkommission gibt es allerdings keinerlei Hinweise auf politische Motive für den Mord.

In türkischen Sendern war die Rede davon, dass Yilmaz politische Plakate abgerissen habe, was den Mörder möglicherweise zu der Tat veranlasst habe. Tatsächlich hatte der Bankangestellte einmal Plakate der Kreuzberger Antifa-Bewegung entfernt, auf denen zu einer Demonstration aufgerufen worden war - ein für die Kriminalpolizei allerdings nicht ausreichendes Motiv für ein Tötungsdelikt.

Die Kripo bevorzugt derzeit vielmehr die These, dass es sich um einen gescheiterten Banküberfall handelte. Dabei ist aber unklar, warum der Täter so dilettantisch vorging und offenbar über die Sicherheitseinrichtungen in der Bank nur unzureichend informiert war. Den Tresor, in dem das Geld aufbewahrt wird, hätte er nur mit den Schlüsseln von Yilmaz nicht öffnen können. Dazu wäre eine zweite Person erforderlich gewesen. Unklar ist auch, warum er über den Bankmitarbeiter herfiel, bevor dieser die Tür vollständig aufgeschlossen hatte. Ebenso ungeklärt war gestern auch noch die die Frage, in welcher Sprache die lautstarke Auseinandersetzung zwischen Yilmaz und dem Unbekannten stattfand, bevor die Schüsse fielen.

Die Polizei hielt sich bedeckt, was die Zahl der abgefeuerten Schüsse betrifft. Klar scheint nur zu sein, dass ein Kopfschuss Yilmaz tötete. Am Tatort, einem unscheinbaren verschmutzten Hauseingang, wurden mehrere Projektile gefunden. Der Täter verwendete eine Handfeuerwaffe des weit verbreiteten Kalibers 7,65 Millimeter. Ob allerdings auch Patronenhülsen sichergestellt wurden - dies ließe darauf schließen, das der Täter eine Pistole benutzte, die beim Nachladen die Hülsen der abgefeuerten Patronen auswirft -, dazu wollte sich die ermittelnde Mordkommission aus ermittlungstaktischen Gründen ebenfalls nicht äußern.

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