Berlin : Der absolute Klang – schon für 1 061 000 Euro

Feinsinnig statt brachial: Auf der Funkaustellung ist die teuerste Hifi-Anlage der Welt aufgebaut – allein die Verkabelung kostet mehr als eine Luxuslimousine

Bernd Matthies

Das teure Unternehmen gehört nach drei erfolgreichen Jahren schon fast zur Grundversorgung des Messebesuchers: Die teuerste Hifi-Anlage der Welt, aufgebaut von Experten der Zeitschriften „Audio“ und „Stereoplay“. Klar, dass sie jedes Jahr teurer wird, denn der Aufwand für immer mehr Kanäle plus Bild geht ins Geld. Dieses Jahr steht die Kaufsumme bei 1 061000 Euro, was immer noch ein wenig willkürlich scheint. Denn durch die parallele Montage einiger weiterer Lautsprecher ließe sich das Ganze zweifellos noch bedeutend teurer machen. „Das ist doch alles Unfug“, sagt ein nicht beteiligter Aussteller, „im nächsten Jahr kostet sie drei Millionen, und dann fünf...“

Wie auch immer: ein Erfolg. Ständig warten Fans vor dem Eingang in Halle 8.1, um den Stand des Machbaren zu hören. Die zehn elektrostatischen Lautsprecher von Martin Logan kosten um die 170 000 Euro, nicht einmal so viel, bedenkt man, dass allein die Verkabelung einer solchen Anlage mehr als 120 000 Euro verschlingt. Der Mehrkanalvorverstärker von Mark Levinson kostet 46 000 Euro, für die 20 Endstufen von McIntosh sind weitere 186 000 Euro fällig. Der gegenwärtig beste DVD- und SACD-Spieler von Linn kostet nur 10 000 Euro, ein Klacks im Vergleich, denn selbst die Geräte, die die getrennten Zwei- und Mehrkanalzweige mit fein gesäubertem und aufbereitetem Strom versorgen, sind im Laden über 16 000 Euro wert.

„Das kann sich natürlich nicht jeder leisten“, sagt Bernd Beisenkötter, der Chefredakteur der beiden Zeitschriften, mit feiner Ironie. Man wolle eben das Bestmögliche zeigen, die Ohren der Zuhörer sensibilisieren und ein Zeichen setzen gegen das allgemeine Preisdumping, bei dem die Klangqualität meist überhaupt keine Rolle spiele.

Entsprechend geraten die Vorführungen - jeweils zur vollen Stunde – eher feinsinnig als brachial. Es geht nicht um maximal erreichbare Lautstärke, sondern um die transparente, plastische Abbildung natürlicher und künstlicher Klänge. Die Registrierkassen aus Pink Floyds „Money“ , auf der modernen SACD fünfkanalig neu aufgelegt, scheppern und klappern um den Hörer herum, als säße er im Keller der Bundesbank, bevor der etwas diffuse Gesang dann doch das Alter der Aufnahme verrät. Neues Material klingt schlüssiger, zumal, wenn die Bilder gleich mitgeliefert werden: Die Corrs, „unplugged“ von der DVD eingespielt, drängen mit emotionaler Wucht in den Hörraum, die Geige schwebt zwischen den Lautsprechern, vorn klappert die Handtrommel, der Schlagzeugeinsatz donnert dazwischen, die Streicher füllen den Raum, ein Horn schält sich aus dem Klangteppich heraus, über allem die klaren Stimmen der drei irischen Grazien. Das ist nicht minder beeindruckend fürs Auge, denn allein für den professionellen Projektor mit Zubehör sind knapp 200 000 Euro fällig.

Andererseits beweist die Anlage im schlichten Zweikanalbetrieb, dass weder die Vinylplatte noch die normale CD zum Alteisen gehören, zumal, wenn sie sich in Geräten zum Gegenwert eines Oberklasseautos drehen. Beeindruckend, wenn auch im eigenen Heim durchaus zu toppen: Denn die dünnen Wände des Vorführraums schirmen den Lärm der Umgebung nicht komplett ab, und die wenigsten Sitzplätze liegen optimal im Klangzentrum.

Zum Schwelgen bleibt ohnehin wenig Zeit, nach einer Viertelstunde hat sich die Vorstellung erledigt. Die Nächsten, bitte! Wer hinausgeht, hat immerhin ein Ziel: Bei den Ausstellern nach jener Anlage suchen, die für einen kleinen Bruchteil des Preises der großen so viel wie möglich von ihrem Klang vermittelt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben