Berlin : Der Adventsmarkt-Trick Viele Ämter wollen in der Weihnachtszeit

Sonderöffnungen für Geschäfte ermöglichen

Cay Dobberke

Obwohl der Ladenschluss in Berlin nicht mehr rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft aufgehoben wird, ist mit Sonderöffnungszeiten im Advent zu rechnen – zumindest an bestimmten Tagen und Orten. Denn die Bezirke können zusätzliche Verkaufszeiten anlässlich von Weihnachtsmärkten und Festen „mit Jahrmarktcharakter“ genehmigen. Bezirkspolitiker ermutigen nun die Händler, Anträge zu stellen. „Wir werden den legalen Rahmen zu 100 Prozent ausnutzen“, kündigte der Wirtschaftsstadtrat von Mitte, Dirk Lamprecht (CDU), an. Zum Beispiel wollen die Potsdamer-Platz-Arkaden an den Adventssonnabenden bis 22 Uhr öffnen. Möglich wird dies durch die „3. Winterwelt Potsdamer Platz“. Wie im Vorjahr soll es Eis- und Rodelbahnen im Freien geben, und am 27. November beginnt ein Weihnachtsmarkt.

Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) sagte, er habe Sondergenehmigungen „schon immer sehr großzügig“ erteilt. Noch liegen ihm keine Anträge vor. Vermutlich werden die Gropius-Passagen wieder einen Weihnachtsmarkt ausrichten und dazu sonnabends länger öffnen. In Steglitz-Zehlendorf erwartet Wirtschaftsstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) in den kommenden Wochen einige Anträge auf Sondergenehmigungen. Das neue Center „Das Schloss“ in der Schloßstraße scheidet dabei aber aus, obwohl die Geschäftsführung erklärtermaßen jede Möglichkeit nutzt. Das Problem ist, dass es bereits zur Eröffnung im März vier Tage mit zusätzlichen Verkaufszeiten gab. Laschinsky sieht einen Ausweg in einer Sondererlaubnis für die gesamte Schloßstraße. Dafür müssten sich „die Händler zusammentun“ und eine Veranstaltung ausrichten.

Auch manche anderen Geschäfte haben ihre Möglichkeiten für 2006 ausgereizt. „Wir hatten vier Tage lang den ersten Center-Geburtstag gefeiert“, hieß es aus dem „Eastgate“ in Marzahn. „Jetzt werden wir einen Weihnachtsmarkt veranstalten, aber ohne Sonderöffnungen.“

Unterdessen wächst die Kritik am Senat. „Da wurde eine Riesenchance vertan“, warf die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) dem Senat vor. Die Verbraucherzentrale Berlin kritisierte die Landesregierung, die rechtzeitige Freigabe „verschlafen“ zu haben, und forderte „unbürokratische Sonderregelungen ab November“.

Dagegen betonte die Gewerkschaft Verdi, es seien noch viele Einzelheiten des Arbeitnehmerschutzes zu klären. Verdi lehnt die Senatspläne ab, die Verkaufszeiten werktags freizugeben und dazu sechs verkaufsoffene Sonntage pro Jahr zu erlauben.

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