Berlin : Der AL-Mitbegründer erhält das Bundesverdienstkreuz

Gerd Nowakowski

Neunzehn Mal ist Volker Schröder den Berlin-Marathon mitgelaufen. Und immer mit der Igel-Fahne in der Hand, dem Wappentier der Berliner Grünen. Der 57-Jährige verschmerzt es, durch diese Zusatzlast ein paar Minuten zu verlieren. Qualitäten als Dauerläufer hat der notorische Hutträger auch auf anderen Gebieten. Seit 20 Jahren engagiert sich der Mitbegründer der "Alternativen Liste" für die angemessene Würdigung des 18. März 1848 im Stadtbild. Das Aufbegehren des Bürgertums gegen Fürstenwillkür sollte als Nationalfeiertag geehrt werden, vertritt die Initiative, deren Sprecher Schröder ist. Heute erhält der gebürtige Hamburger für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Für sein Anliegen hat der Mitarbeiter des Mietervereins inzwischen prominente Unterstützer gewonnen: Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, die ehemalige christdemokratische Senatorin Hanna-Renate Laurien oder Bundestagsvizepräsident Hermann-Otto Solms von der FDP gehören dazu. Die Initiative möchte den "Platz vor dem Brandenburger Tor" in "Platz des 18. März 1848" umbenennen - bislang erfolglos. Dabei sei der Ort am Ende der Straße des 17. Juni 1953 geradezu ideal. Schließlich hätten in beiden Fällen Menschen ihr Leben für Freiheit und Demokratie gegeben. Den Segen der Bezirke Tiergarten und Mitte hat die Initiative, und auch das Abgeordnetenhaus beschloss einstimmig die Umbenennung. Verkehrssenator Klemann aber lehnte ab, und der Senat entschied sich, das namenlose Areal am Gorki-Theater zum 150. Jahrestag der Revolution auszuwählen.

Diesen Platz will Schröder nicht akzeptieren, doch verdrießen kann es ihn nicht. Er hat einen langen Atem und vor allem einen unerschütterlichen und augenzwinkernden Humor. Vor einigen Jahren hat er das vom Ur-Ur-Großvater 1866 begründete Bürstenmacher-Geschäft übernommen und im Nebenberuf wiederbelebt. Für Furore in der Branche sorgte Schröder mit seiner patentierten Anal-Bürste.

Selbst für trockene Zahlen kann der Diplom-Kaufmann noch Interesse wecken. Legendär ist der ehemalige Schatzmeister der Berliner Grünen für seinen jährlichen Bericht zur Kassenlage. Den begann Volker Schröder jeweils mit einem Handstand auf dem Versammlungstisch - um zu zeigen, dass keine Mark in seinen Taschen hängen geblieben war.

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