Berlin : Der Alleinunterhalter

Reamonn war gestern: Sänger Rea Garvey startet solo durch und stellt sein neues Album im C-Club vor

von
Selbst ist der Mann. Auch ohne seine Bandkollegen hat es Rea Garvey an die Spitze der Charts geschafft. Zudem dreht er derzeit für die Castingshow „The Voice“. Foto: Mike Wolff
Selbst ist der Mann. Auch ohne seine Bandkollegen hat es Rea Garvey an die Spitze der Charts geschafft. Zudem dreht er derzeit für...

Jetzt erst mal einen starken Kaffee! Rea Garvey, der an diesem Vormittag komplett schwarz gekleidet ist, sinkt auf das helle Sofa und nimmt die Sonnenbrille ab. Seine Augen blinzeln träge in das gleißende Licht, das durchs Fenster fällt. Draußen rattert der Berufsverkehr über die Oberbaumbrücke; drinnen, im Universal-Café in Friedrichshain, versucht der Sänger, seine Müdigkeit zu überspielen. Bis spät in die Nacht war er in Adlershof bei den Dreharbeiten zur neuen Pro-7-Castingshow „The Voice“. In der Sendung, die im November startet, ist der 38-Jährige neben Xavier Naidoo und Nena einer der Gesangstrainer.

Rea Garvey, Sänger und Frontmann der Rockband Reamonn, ist derzeit viel beschäftigt. Neben den Dreharbeiten, die seit mehreren Wochen laufen, macht er gerade Werbung für sein neues Album. „Can’t stand the silence“ heißt es, am Freitag stellt es Garvey im C-Club vor. Für ihn ist es ein besonderer Auftritt. Nach fast zwölf Jahren wird er das erste Mal ohne seine vier Musiker-Kollegen auf der Bühne stehen, denn die Platte hat er ohne sie eingespielt. „Can’t stand the silence“ ist sein erstes Solo-Werk.

Differenzen mit den Bandmitgliedern? Nein, sagt Rea Garvey und nippt an seinem Kaffeepott. „Ich wollte das schon seit langem machen.“ Manchmal sei es richtig, in der Menge zu stehen und eine Stimme von vielen zu sein, aber manchmal sei es eben wichtig, seine eigene Meinung zu vertreten. Die Lieder, so wie sie jetzt auf der Platte zu hören sind, wären in Absprache mit vier Leuten nicht möglich gewesen. „Alles alleine zu entscheiden und hinzukriegen – das hat seinen Reiz. In diesem Moment spürt man die Energie des Lebens viel stärker.“

Was aus Reamonn wird, ist derzeit offen. „Pause“, lautet die offizielle Sprachregelung. Man wolle etwas Abstand voneinander gewinnen, sagt Rea Garvey. An eine endgültige Auflösung mag er derzeit nicht denken. Muss er ja auch nicht zwingend, wo doch die Band mit Hits wie „Supergirl“ und „Tonight“ regelmäßig in den deutschen Charts vertreten war, wenn auch zuletzt etwas seltener. Zudem gibt es da ja noch ein prominentes Ehrenmitglied: Barack Obama. Als dieser vor drei Jahren an der Siegessäule vor 200 000 Menschen eine Rede hielt, traten Reamonn im Vorfeld auf. Und nutzten eine kurze Begegnung, um dem damaligen Präsidentschaftskandidaten einen Bandring zu schenken. Seither gehört er dazu, gewissermaßen.

Die neue Platte hat Rea Garvey in London aufgenommen, vier Monate lebte er dort. In der Zeit begegnete er auch dem Produzenten und Songschreiber Andy Chatterley. Der Mann kennt sich im Musikgeschäft aus, er hat schon mit Stars wie Blondie, Kanye West und Kylie Minogue zusammengearbeitet, war sogar schon für den Grammy nominiert. Mit ihm schrieb Garvey „Can’t stand the silence“, den Titelsong und die erste Auskopplung der Platte. „Da wusste ich, der Eckstein ist gelegt, so soll mein Album klingen.“ Ein bisschen Rock, ein bisschen elektronische Musik, eine elegische Melodie. Die Rechnung ist aufgegangen, sowohl die Single als auch das Album stehen derzeit in den Charts ganz vorne.

Wie es sich anfühlt, nicht im Fokus des Geschehens zu stehen, weiß der Sänger gut. Bevor Garvey nach Deutschland kam, zog er als Straßenmusiker durch die Gegend, spielte daheim in Irland „in jeder Kneipe, in jedem beschissenen Loch“. Die Konkurrenz war groß, aber aufgeben kam nicht infrage. Und so genierte er sich nicht, kurz nach seiner Ankunft in Deutschland 1998 eine Zeitungsanzeige zu schalten: „Irischer Sänger sucht Band für Platte und Tour.“ Ein paar Tage später klingelte das Telefon, danach ging alles ziemlich schnell. Erste Auftritte, erster Plattenvertrag, erstes Album, erster Hit. So schnell kann’s gehen.

Wenn Rea Garvey nicht gerade für Auftritte und Interviews unterwegs ist, pendelt er zwischen Hadamar in Hessen, der Heimatstadt seiner Frau, und Berlin. Hier wohnt er in Mitte, hier soll nächstes Jahr auch seine Tochter in die Schule kommen. „Berlin ist 24 Stunden wach, man kann immer was erleben, das schätze ich an der Stadt“, sagt Garvey und ordert einen zweiten Kaffee. In den Clubs könne man Künstler treffen, für die es keine Schublade gebe. „Man kann hier Musik in ihrer ursprünglichen Form erleben.“

Eine Stunde ist vergangen, Rea Garvey muss los. In Adlershof gehen die Dreharbeiten weiter, wahrscheinlich werden sie heute nicht so lange dauern wie am Tag davor. Als der Musiker das Café verlässt, läuft über die Lautsprecher Bobby McFerrins „Don’t worry, be happy“ und die Sonne leuchtet über der Oberbaumbrücke. Besser könnte es für Rea Garvey gerade nicht laufen.

C-Club, Columbiadamm 9-11, Freitag, Beginn 20 Uhr, Karten 39 Euro

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben