Berlin : Der Appetit der Eisbären

Im Rahmen einer Gala zeichnete das Kinderhilfswerk vorbildliche Initiativen aus

Elisabeth Binder

Warum fressen Eisbären keine Pinguine? Sind sie auf Diät? Oder hatten sie mal eine einschlägige Vergiftung? Schüler aus Bremerhaven und Gera wollten es genau wissen und begaben sich auf eine virtuelle Expedition für eine gemeinsame Fernseh-Live-Sendung. Dafür wurden sie am Sonntag bei einer Kinder-Gala bei Pomp Duck and Circumstance mit der „Goldenen Göre“ ausgezeichnet. Vergeben wird der Preis, eine Art Oscar für Kinder, vom Deutschen Kinderhilfswerk, das damit die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung ihrer Lebenswelt auszeichnet.

Der Dresscode bei dieser Gala ist locker: T-Shirt und Jeans oder rote Strümpfe zum Schottenrock reichen völlig aus. Pomp-Duck-Chef Hans-Peter Wodarz hatte im Foyer ein ganzes Spielzimmer aufbauen lassen, mit Riesenelefant und Globus. Selbst engagiert, schwärmte er von der Kreativität der Kinder. „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, es als Erwachsener zu bleiben“, sagte Moderator Ingo Dubinski, und eine lebendige goldene Göre wiederholte immer wieder das Motto der Gala: „Kinder können das“. „Anlachen statt auslachen“ ist zum Beispiel so eine Sache, die Kinder können. Das gleichnamige Projekt der Gesamtschule aus Essen Holsterhausen gewann den Preis in der Kategorie „Schule“. Darin betätigen sich Kinder unter anderem als Streitschlichter. In der Kategorie „Kinderkultur“ gewann das Kindermuseum aus Halle/Saale mit dem „Sekundenpropeller“. Sekundenpropeller stehen an der Datumsgrenze und vertreiben die Zeit, Sekunde für Sekunde, denn sonst wäre es immer heute und niemals morgen. Zwei Jungs nahmen den Preis entgegen, Lukas, der Erfinder, und Markus, der im Rollstuhl auf die Bühne kam, eine Schule für geistig Behinderte besucht und bei dem Projekt verschiedene Materialien erprobt hat, Knochen zum Beispiel und Muscheln. Schwülstige Danksagungen gab es bei dieser Gala nicht. In dem Alter nerven Eltern wahrscheinlich noch zu sehr, als dass man sie als Preisträger von der Bühne aus mit tränenreichen Liebeserklärungen bedenken möchte. Dafür gab es kesse Sprüche, und es durfte natürlich viel gelacht werden. Jedem ausgezeichneten Projekt bringt der Preis 10 000 Euro für die weitere Arbeit.

In der Kategorie „Kinderpolitik“ teilten sich den Preis ein Projekt aus Tuttlingen und das Kinder- und Jugendbüro aus Marzahn-Hellersdorf. Hier können Kinder selbst entscheiden, was sie mit den Mitteln eines Jugendfonds gestalten wollen, ob sie einen Treffpunkt mit einer Disco ausstatten beispielsweise oder einen Schulfunk etablieren.

Der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, überreichte Mitarbeitern der Bayer AG den Charity-Preis für ihr Starthilfeprogramm. Jugendliche, die durch den Lehrstellen-Eignungstest gefallen sind, können an einem einjährigen Qualifizierungsprogramm teilnehmen und am Ende dann doch noch einen Ausbildungsplatz bekommen. „Von solchen Initiativen könnten wir viel mehr gebrauchen“, sagte Krüger. Bevor die berühmte Pomp-Ente aufgetragen wurde, sang „Superstar“-Gewinner Alexander noch einige Lieder. Und der 14-jährige Alan Sulz führte sein sensationelles Talent als tanzender Jongleur vor. Die Eisbären leben übrigens am Nordpol und haben es zu weit zu den Pinguinen am Südpol. Eine lockere Gala, bei der man was lernen kann. Davon könnten wir auch noch mehr gebrauchen.

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