Berlin : Der April weiß, was er will: Sommer

Traumwochenende in Berlin, aber in Brandenburg dramatischer Wassermangel

Stefan Jacobs

Nachdem schon der Winter kaum der Rede wert war, kommt der Frühling jetzt als vorzeitiger Sommer daher: Schon die für heute erwarteten 22 Grad werden sich dank praller Sonne und nur leichtem Wind recht warm anfühlen. Für Sonnabend und vor allem für Sonntag erwarten die Meteorologen sogar 25 Grad in Berlin. „Diese Temperaturen sind für Mitte April schon oberster Anschlag“, sagt Frank Brennecke vom Dienst MC Wetter, „mehr ist kaum möglich“. Was möglich ist, zeigt der im Jahr 1922 gemessene Allzeitrekord: 27 Grad seien es damals am 15. April in Dahlem gewesen.

Während sich die einen in der Sonne aalen, wären andere froh, wenn es mal wieder regnen würde. Zwar prasselte vom 21. bis 23. März mit rund 30 Litern pro Quadratmeter fast das ganze Monatssoll auf Berlin herab, aber seitdem hat es so gut wie gar nicht mehr geregnet. Und bis auf ein paar Schauer zur Mitte kommender Woche – bei sinkenden Temperaturen – ist kein Nachschub in Sicht. Weil bei der momentanen Hochdruckwetterlage von Osten her besonders trockene Luft durch Berlin weht, dörrt der Boden besonders schnell aus.

Für Holger Schmidt, den Chef des Pflanzenschutzamtes, ist der vorzeitige Sommer noch kein Grund zur Sorge: Der Wasserbedarf der Laubbäume steige erst allmählich, wenn das Laub austreibt. „Aber den Garten zu wässern, kann nicht schaden“, sagt Schmidt, den zurzeit viele besorgte Nadelbaumfreunde anrufen und von Lausbefall an Stamm und Ästen berichten. „Das hängt wohl damit zusammen, dass die Läuse gut und undezimiert über den Winter gekommen sind“, sagt Schmidt. Auch die ersten Kastanien-Miniermotten seien wieder auferstanden, aber bei denen müsse der warme Winter keine besondere Plage nach sich ziehen: „Vielleicht haben wir Glück, dass viele in dem relativ feuchten und milden Wetter von Pilzen befallen worden sind.“ Den Frost früherer Winter haben die Motten dagegen problemlos überstanden.

Die Berliner Forstverwaltung erinnert nach knapp drei Wochen ohne nennenswerten Regen zwar extra nachdrücklich an das ohnehin geltende Rauch- und Grillverbot, aber um die Bäume machen sich die Förster vorerst keine Sorgen.

In Brandenburg ist die Begeisterung über das Superwetter deutlich gedämpfter: In den kommenden Tagen werden wohl mehr und mehr Wälder wegen extremer Brandgefahr gesperrt. Und der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, blickt sorgenvoll auf den Wasserhaushalt des Landes: In manchen Regionen habe es seit Januar fast doppelt so viel geregnet wie normal, „das klingt super“. Aber: Der Grundwasserspiegel sei kaum gestiegen. Die Elbe führe nur halb so viel Wasser wie sonst im April, die aus Norden kommende Havel eher noch weniger, und die Spree bekomme aus der nur zu zwei Dritteln gefüllten Talsperre Spremberg das absolute Minimum von 6,2 Kubikmetern pro Sekunde. Da kommt in Berlin nicht viel an; die Spree ist zwischen Köpenick und Spandau eher ein Stausee als ein Fluss. Nur die Oder sei dank der Schneeschmelze im Riesengebirge ordentlich gefüllt.

Angesichts zunehmend trockener Sommer sind nasse Winter umso wichtiger. „Wo bleibt das Wasser?“, fragt Freude – auch sich selbst. Einen Teil der Antwort kann er geben: Weil es eher kurz geschüttet als lange vor sich hin geregnet habe, „ist viel zu viel weggeflossen“. Etwa über die 23 000 Kilometer Gräben im Land, wo zu wenig gestaut werde. Im frostfreien Boden sei der Regen zwar ganz gut versickert, aber in der milden Luft auch ungewöhnlich stark verdunstet. In der Uckermark seien kleine Seen schon ausgetrocknet, die Laichplätze für Kröten und Frösche knapper denn je. Aber Freude weiß wenigstens eine gute Nachricht: Ohne Tümpel und Pfützen sind auch Mücken chancenlos.

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