Berlin : Der Architekt, der Alt und Neu vereint

Stefan Jacobs

In Wien hat Heinz Tesar gerade die Kirche des 21. Jahrhunderts gebaut: einen mit nahezu schwarzen Metallplatten verkleideten Quader mit ausgesparten Ecken, kleinen runden Fenstern und einem hellen Kreuz an der Fassade. Sehr futuristisch also – und damit in denkbar großem Kontrast zu jener Aufgabe, die der 67-jährigein Berlin zu lösen hatte: Er ist der für den Umbau des Bode-Museums verantwortliche Architekt.

Am einfachsten wäre es gewesen, neue Einbauten in Kontrast zu den alten zu setzen. „Zu einfach“, findet Tesar, der die neuen Teile – darunter ein haushohes, turmähnliches Zugangsgebäude im Innenhof – „Passstücke“ nennt. „Selbstverständlich wird man die neuen Teile als neu erkennen können“, sagt er. So sei die Beleuchtung völlig neu, „einfach durch den Unterschied von 100 Jahren“. Auch die Klimatisierung ließ sich erst durch den Umbau perfektionieren. Dabei wachten die Denkmalschutzbehörden über jeden Stein, der entnommen wurde – und achteten ebenso wie Tesar darauf, nur „minimalinvasive Eingriffe“ in die alte Bausubstanz vorzunehmen. Und wo doch bis zum Rohbau zurückgebaut werden musste – wegen verrosteter Träger beispielsweise – ließ sich mitunter auch gleich Technik elegant verstecken.

Da Architekten immer auch Künstler sind, scheint eine Gebäudesanierung unter den Argusaugen des Denkmalschutzes nur bedingt attraktiv. Aber Tesar versichert, er finde es „schon besonders spannend, mich mit einem Gebäude auseinanderzusetzen und ihm in die Gegenwart zu verhelfen“. Und stellt klar: „Ich möchte nicht Umbauspezialist sein.“

Seit dem Jahr 2000 betreibt sein Büro eine Niederlassung in Berlin, zeitweise waren bis zu 15 Mitarbeiter hier. Er selbst sei mindestens alle drei bis vier Wochen in Berlin gewesen, sagt Tesar. Die Suggestivfrage, ob Wien mit der schönen blauen Donau und seiner opulenten K.-u.-k.-Architektur nicht viel schöner sei als die deutsche Haupstadt, umschifft er mit einem Lachen. Dann sagt er: „Was ich an Berlin vor allem bewundern gelernt habe, ist diese wunderbare Flusslandschaft im innerstädtischen Bereich.“ Die Museumsinsel sei Teil dieser Flusslandschaft, „die sich verstädtert hat“.

Tesar, der in Innsbruck geboren wurde und schon als 20-Jähriger in Deutschland arbeitete, wählt seine Worte sehr sorgsam. Sein Werk reicht von Geschäftsgebäuden bis zum Haus am Dresdner Zwinger. Auf ein Lieblingsprojekt möchte sich der Österreicher aber nicht festlegen. Erfahrungsgemäß werde der urteilende Blick erst mit zunehmendem Abstand klarer, sagt er. Und wieder klingt er wie jemand, der gut in Denkmalen arbeiten kann, ohne sie zu beschädigen.

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