Berlin : Der Ausbau in Schönefeld beginnt erst 2006

Die Baugenehmigung für den neuen Flughafen wird heute erteilt, doch der offizielle Spatenstich lässt fast zwei Jahre auf sich warten

Klaus Kurpjuweit

Acht Jahre nach dem Beschluss, Schönefeld zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) auszubauen, wird heute der Planfeststellungsbeschluss erteilt, die Voraussetzung für die Baugenehmigung. Experten erwarten, wie berichtet, Auflagen beim Lärmschutz und bei den Nachtflügen sowie bei den Ausgleichsmaßnahmen in der Natur. Theoretisch könnte die Flughafengesellschaft nun sofort mit dem Bau beginnen, doch die Arbeiter werden noch auf sich warten lassen. Der offizielle Spatenstich wird erst Anfang 2006 erfolgen. Trotzdem soll BBI Ende 2010 fertig sein.

„Wir werden jetzt keinen Beton gießen“, kündigte Flughafensprecher Ralf Kunkel an. Zunächst wolle man „bauvorbereitende Maßnahmen“ vorantreiben und intensivieren. Dieses Programm ist umfangreich. Unter anderem müssen Dioxin-Reste entfernt werden, die aus russischer Hinterlassenschaft stammen. Zudem muss eine bis zu sechs Meter hohe Müllkippe beseitigt werden, auf der zu Beginn der 90er Jahre vorwiegend Plastikabfälle aufgeschüttet worden waren.

Zu den vorbereitenden Maßnahmen gehört aber auch die Planung einer Sickergrube, in die das Grundwasser geleitet werden soll, das für den Bau des unterirdischen Bahnhofs abgepumpt werden muss. Und auch der Abriss des Dorfes Diepensee, dessen Bewohner bereits fast alle umgezogen sind, soll noch im Herbst beginnen. Zeit braucht man auch für das Umsiedeln der Knoblauchkröten und Moorfrösche aus dem Dorfteich von Diepensee. Drei Jahre muss man den Tierchen noch Zeit fürs Laichen lassen.

Bevor die Bagger die Erde aufreißen, wollen auch noch die Archäologen graben. Auf dem Gelände befanden sich einst slawische Siedlungen. Wo sie lagen, hat man bereits sondiert. Aufgetankte Flugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die angeblich im Boden verbuddelt sein sollen, werde man aber nicht finden, sind die Planer überzeugt.

Für die Terminalplanung hat die Flughafengesellschaft den Architekten Manfred Körtgen verpflichtet, der auch den Ausbau des Düsseldorfer Flughafens geplant hat. 2006 könne dann in einem Guss gebaut werden, sagte Kunkel.

Voraussetzung ist aber, dass das Bundesverwaltungsgericht den Planfeststellungsbeschluss bestätigt. Klagen wollen die Ausbaugegner. Sie wollen auch die sofortige Aufnahme der Arbeiten noch vor der Gerichtsentscheidung, die 2006 erwartet wird, gerichtlich stoppen lassen wollen. Die Ankündigung, jetzt nicht sofort zu bauen, habe darauf keinen Einfluss, heißt es beim Bürgerverein Berlin-Brandenburg.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar