Berlin : Der australische Patient

Ein 22-Jähriger jettete einmal um den Erdball, um sich in Berlin an der Brust operieren zu lassen

Sabine Beikler

Weihnachten feiern muss Michael Mac-Donald 20 000 Kilometer und 24 Flugstunden entfernt von seiner Familie. „Aber das ist okay. Ich habe in Berlin das schönste Weihnachtsgeschenk erhalten“, erzählt der 22-Jährige aus Melbourne. Keine Schmerzen mehr in der Brust, wieder Sport treiben und sich ohne Schamgefühl ausziehen können: Für ihn ist das seit seiner Operation am Montag ein neues Lebensgefühl.

Der junge Australier jettete einmal rund um den Erdball, um sich von Klaus Schaarschmidt, Chefarzt der Kinderchirurgischen Klinik im Helios Klinikum in Buch, die so genannte Kielbrust korrigieren zu lassen. Diese Verformung der Rippen, die als nach außen gewölbter Kamm oder Knick des Brustbeins sichtbar ist, tritt in einem zu 1000 Fällen auf – seltener als das „Gegenstück“ dazu, die Trichterbrust, bei der die Rippen trichterförmig eingesunken sind.

Ohne das Internet aber wäre Michael Mac-Donald am vergangenen Sonnabend nicht in Berlin gelandet: In einem amerikanischen Forum knüpfte er Kontakt mit einem anderen Michael aus Stockholm. Ein Leidensgenosse, der sich von Schaarschmidt erfolgreich operieren ließ. Der 52-Jährige Chirurg aus Berlin ist auf eine von ihm entwickelte, schonende minimal-intensive Operationsmethode spezialisiert und hat damit bisher über 46 Patienten helfen können. Insgesamt hat er schon über 170 Kielbrust-Korrekturen durchgeführt und gilt als einer der europaweit führenden Operateure auf diesem Gebiet.

Michael Mac-Donald nahm Kontakt mit Schaarschmidt auf und nach dem Hin- und Hermailen von Ultraschallaufnahmen und anderen medizinischen Berichten machten sie einen Operationstermin aus. Aber: Zuvor musste sich der junge Australier darum kümmern, wer die Kosten für den Eingriff übernimmt. Für Ausländer kostet diese Operation rund 14 000 US–Dollar. Während laut Schaarschmidt die Krankenkassen in Europa diese Operation finanzieren, übernimmt die australischeVersicherung nur einen Bruchteil der Kosten. „Ich habe in einer Fabrik gearbeitet und mir Geld von meinen Eltern geliehen“, erzählt der passionierte Karatesportler aus Melbourne.

Wahrscheinlich wird Michael Mac-Donald nicht der einzige australische Patient in der Klinik in Buch bleiben. Am Tag, als er operiert wurde, erhielt Schaarschmidt schon eine zweite Anfrage von downunder.

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